Ich arbeite als studentische Hilfskraft auf Basis eines befristeten Arbeitsvertrags in einem großen Unternehmen. Nach zwei Jahren läuft mein Vertrag bald aus. Jetzt frage ich mich, ob ich einen neuen befristeten Vertrags im selben Unternehmen, aber in einer anderen Abteilung mit einem neuen Aufgabenfeld bekommen kann? Oder ob sich die Zwei-Jahres-Befristung auf das gesamte Unternehmen bezieht?, fragt Heidi Bachmann.

Sehr geehrte Frau Bachmann,

befristete Arbeitsverträge nehmen in vielen Branchen und Unternehmen immer mehr zu. Das statistische Bundesamt bestätigt diesen Trend: 2012 hatte fast jeder zehnte Beschäftige einen befristeten Arbeitsvertrag, was ich persönlich nicht so toll finde.

Der Gesetzgeber gibt Unternehmen zwei Möglichkeiten für befristete Arbeitsverhältnisse: einmal mit und einmal ohne Sachgrund. Die Befristung ohne Sachgrund darf maximal zwei Jahre andauern und innerhalb dieser Frist maximal dreimal verlängert werden. Durch Tarifvertrag kann die Anzahl der Verlängerungen oder die Höchstdauer der Befristung abweichend festgelegt werden.

Ausnahmen bestätigen allerdings diese Regel: Die Arbeitsverträge von Arbeitnehmern, die älter als 52 Jahre sind und vorher arbeitslos waren, können bis zu fünf Jahre befristet werden. So möchte der Gesetzgeber älteren Arbeitnehmern den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erleichtern. Für so genannte Start-ups – also Unternehmen, die neu gegründet wurden – gibt es ebenfalls eine Sonderregelung. Sie dürfen vier Jahre lang Mitarbeiter befristetet beschäftigen. Und innerhalb der fünf bzw. vier Jahre dürfen die Verträge unbegrenzt verlängert werden.

Keine zeitliche Obergrenze für Sachgrund-Befristungen

Bei der Befristung mit Sachgrund gibt es keine zeitliche Obergrenze. Es muss ein Sachgrund nach § 14 Absatz 1 TzBfG vorliegen. Häufig werden solche Verträge bei Saisonarbeitern, Vertretungen oder Projekttätigkeiten eingesetzt. Ein Stolperstein für Arbeitgeber bei Befristungen mit Sachgrund kann sein, dass der Arbeitnehmer vor dem befristeten Arbeitsvertrag nicht in dem Unternehmen tätig sein durfte. Dies wird gerade vor dem höchsten deutschen Arbeitsgericht in Erfurt abschließend geklärt, weil das LAG Baden-Württemberg das vom Bundesarbeitsgericht bislang vorgegebene Vorbeschäftigungsverbot von drei Jahren gerade nicht anerkennt.

In der Regel verfügen auch befristete Arbeitsverträge über eine Probezeit und Kündigungsfrist, ferner müssen sie schriftlich erfolgen – auch die Verlängerung. Wichtig: Wird ein befristeter Vertrag verlängert, dürfen die bisherigen Vertragsbedingungen nicht verändert werden. Und obwohl diese Arbeitsverhältnisse die gleichen Rechte und Pflichten wie unbefristete Arbeitsverhältnisse haben, gibt es in der Praxis durchaus eine unterschiedliche Behandlung. Ansprüche wie zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge, die von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig sind, stehen befristet angestellten Arbeitnehmern meist nicht zu.

Zu Ihrem Fall: Da Sie bereits zwei Jahre für Ihren Arbeitgeber tätig waren, kann eine weitere Befristung nur mit Sachgrund erfolgen. Gründe dafür können zum Beispiel ein vorübergehender personeller Mehrbedarf, eine Befristung im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium oder die Vertretung eines Arbeitnehmers sein. Aber auch hier sollten Sie immer den Sachgrund kritisch hinterfragen. Oftmals ist er arbeitgeberseitig nur vorgeschoben.

Ihr Ulf Weigelt