Erzieher in einer Hamburger Kita © Malte Christians/dpa

Mit einem Fragebogen zum Thema Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz im Gepäck habe ich in den letzten Wochen rund 30 Leiter von Kindergärten und Kindertagesstätten in und um Lüneburg aufgesucht. Mein Ziel war eigentlich, herauszufinden, welche gesundheitsfördernden Maßnahmen Arbeitgeber unterstützen.

Allerdings musste ich schnell feststellen, dass viele Erzieherinnen und Erzieher von ganz anderen Problemen umgetrieben werden. Dass es in Kindergärten laut ist und das sehr anstrengend sein kann, ist kein Geheimnis. Zudem sind die Ansprüche an die Arbeit der Erzieher in den vergangenen Jahren stark gestiegen. So sollen sie heute zu jeder Zeit eine bestmögliche Rundum-Förderung der Kinder gewährleisten und dabei Aufgaben mit abdecken, die eigentlich Eltern übernehmen sollten. Viele der Befragten zeigten sich auch verärgert darüber, dass die Missstände ihres Berufsalltags noch weitgehend unbekannt sind.

Als besonders belastend empfinden viele Erzieher die immensen Dokumentationspflichten über die Entwicklung eines jeden Kindes. Seit einiger Zeit gibt es zudem eine Qualitätsmanagement-Zertifizierung, die Kindergärten erhalten können. Dafür müssen die Mitarbeiter unter anderem Fragebögen von der Länge einer Zeitschrift ausfüllen. Der Fragebogen enthält Fragen wie "Haben Sie Zeit, beim Wickeln mit dem Kind Fingerspiele zu machen?" Es ist praktisch unmöglich, die Zertifizierung abzulehnen, weil sonst die Kommunen ihre finanziellen Zuschüsse streichen.

Hinzu kommen die schlechten Verdienstmöglichkeiten der Erzieher. Warum eigentlich verdient ein Lehrer als Berufseinsteiger brutto etwa 1.000 Euro mehr als ein Erzieher? Warum bekommen angehende Erzieher während ihrer Ausbildung kein Gehalt wie in anderen Ausbildungsberufen üblich? Liegt es daran, dass Erzieher keine Lobby haben?

Nur wenn sich die Arbeitsbedingungen für Erzieher verbessern, können wir sicherstellen, dass in Zukunft genug junge Menschen diesen Beruf ergreifen. Wenn nicht, ist das Ziel eines garantierten Kindergartenplatzes für jedes Kind wohl kaum zu erreichen.