Auf den Podien dieser Welt diskutieren vor allem Männer. Immer wieder klagen Veranstalter von Panels oder Talkshows, dass angeblich keine Rednerin aufzutreiben war. Oder die wenigen Expertinnen, die angefragt wurden, hätten keine Zeit gehabt.

Die Plattform Speakerinnen.org will das jetzt ändern und mehr Frauen auf die Podien bringen. Fachfrauen können sich hier eintragen und werden nach einer Verifizierung in die Datenbank aufgenommen. Speakerinnen.org ist das erste branchenübergreifende und deutschlandweite Angebot dieser Art. Seit Anfang März ist es online.

"Die Speakerinnen-Liste hat das Ziel, die Sichtbarkeit von Frauen bei Konferenzen, Panels, Talkshows und überall da zu erhöhen, wo öffentlich gesprochen wird", sagt das Speakerinnen-Team. Hinter dem Projekt stecken acht Netzaktivistinnen aus Berlin. Sie haben mithilfe der Rails Girls Berlin die Seite programmiert. Die Rails Girls sind eine internationale Non-Profit-Organisation, die Frauen motiviert, sich mit dem Programmieren zu beschäftigen. 

In nur wenigen Tagen haben sich bereits mehr als hundert Expertinnen eingetragen. Der Verweis auf die Plattform hat sich vor allem über Social Media verbreitet. Kaum überraschend, dass viele der bisher gelisteten Frauen aus der IT-Welt kommen: Vertreten sind vor allem Fachfrauen aus den Bereichen IT-Recht, Datenschutz, Social Media, Feminismus, Medien und Coaching. Ingenieurinnen, Naturwissenschaftlerinnen sowie Expertinnen aus dem Bereich Politik und Wirtschaft sind dagegen bislang kaum vertreten.       

Die Idee hinter Speakerinnen.org ähnelt Netzwerken wie LinkedIN oder Xing (allerdings ohne Premium-Zugang). Die Nutzerinnen nennen Themengebiete und ihre Heimatstadt, außerdem sollen sie möglichst Referenzen wie etwa Vortragsskripte oder Präsentationen angeben. In der Regel laden sie auch ein Profilfoto hoch. Wer ein Twitterprofil hat, kann dieses ebenfalls hinterlegen. Das hilft den Verantwortlichen auch dabei, zu verifizieren, ob das eingetragene Profil real ist.

Eine Prüfung der Expertise findet nicht statt

Wie kompetent die Rednerinnen sind, prüfen die Initiatoren allerdings nicht. Das sei nicht leistbar, heißt es auf Seite. Schließlich sei das Angebot ein Non-Profit-Projekt, das mit Open-Source-Software realisiert wurde.

Wie erfolgreich die Vermittlung ist, können die Initiatorinnen nicht sagen. Sie erfahren nicht, ob die eingetragenen Expertinnen auch tatsächlich auf diese Weise für einen Vortrag angefragt werden. Immerhin berichten einige Frauen, die bereits ein Profil angelegt haben, von ersten Aufträgen als Trainerinnen, Rednerinnen oder Podiumsteilnehmerinnen.

Auch viele Berufsverbände für Frauen verfügen über ähnliche Datenbanken. Allerdings sind die meisten dieser Projekte nur auf eine Branche, ein Berufsfeld oder einen Verband begrenzt. Und die meisten sind nicht sehr bekannt. Eine bundesweite Datenbank gibt es ebenfalls noch nicht. Gute Voraussetzungen für einen Erfolg des Portals. Und für mehr Vielfalt auf den Podien dieser Welt.