Der Anteil von Frauen in den Spitzenpositionen der Wirtschaft hat sich abermals erhöht. Das ergibt sich aus den jüngsten Zahlen des Women-on-Board-Index, der am Freitag veröffentlicht wurde. Demnach beträgt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 160 Dax-Unternehmen derzeit 17,2 Prozent. 2011, als der Index erstmalig von dem Verein Frauen für die Aufsichtsräte und dem Bundesfamilienministerium veröffentlicht wurde, lag der Anteil noch bei zehn Prozent, im Vorjahr betrug er 15,8 Prozent. Auch in den Vorständen sind jetzt mehr Frauen – immerhin sechs Prozent der Posten sind mit einer Managerin besetzt. Vor drei Jahren waren es noch drei Prozent.

Der neue Index zeige, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt immer noch benachteiligt seien, sagt Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). Allerdings bleiben die Männer mit 82,8 Prozent in den Aufsichtsräten und 94 Prozent in den Vorständen eindeutig in der Überzahl. Zugleich lag der Zuwachs deutlich unter den Vorjahren.

"Die Unternehmen haben das Tempo rausgenommen, da kein erkennbarer Druck mehr bestand", sagt Monika Schulz-Strelow, Präsidentin des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte. Offenbar setzten die meisten Unternehmen auf die gesetzlich verordnete Quote, die ab 2015 greifen soll. Nur die Hälfte der 160 Dax-Unternehmen hat konkrete Ziele für einen höheren Frauenanteil in den Aufsichtsräten, für die Vorstände haben sich nur sieben Prozent der Konzerne eine Vorgabe gegeben – und nur 29 Prozent der börsennotierten Unternehmen haben Zahlen für die Führungspositionen vorgelegt.

Nach drei Jahren Women-on-Board-Index ziehen die Initiatorinnen ein verhalten positives Fazit. Von ursprünglich 74 Dax-Unternehmen, die keine Frau in Vorstand oder Aufsichtsrat hatten, gibt es heute nur noch 32 Konzerne, die auf Führungsebene "frauenfrei" sind. Klammert man die Vertreterinnen der Arbeitnehmer aus, sind allerdings mit 45 noch über ein Viertel der Führungsgremien ohne Frauen.   

Unterdessen gab das Statistische Bundesamt anlässlich des morgigen Weltfrauentags bekannt, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen habe. 2002 lag die Erwerbstätigenquote noch bei 61,8 Prozent, bis 2012 stieg sie auf 71,5 Prozent. Bei den Männern beträgt die Quote allerdings 81,8 Prozent. Auch hätten viele Frauen bloß einen Minijob – zwei Drittel der über sieben Millionen geringfügig Beschäftigten sind weiblich.