Ich muss mein erstes qualifiziertes Arbeitszeugnis ausstellen. Was beinhaltet dieses Zeugnis und worauf muss ich unbedingt achten?, fragt Anke Dietzmann.

Sehr geehrte Frau Dietzmann,

jeder Mitarbeiter hat bei der Beendigung seines Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis – unabhängig von der Art seines Arbeitsverhältnisses. Im Gegensatz zum einfachen Arbeitszeugnis beinhaltet das qualifizierte Zeugnis die Leistungs- und Verhaltensbeurteilung des Mitarbeiters. Daher ist für Arbeitgeber das Aufsetzen eines qualifizierten Arbeitszeugnisses sehr zeitintensiv – vor allem, weil die Formulierungen und Wertungen sowohl rechtlich als auch inhaltlich korrekt sein müssen, aber oftmals umstritten sind.

Sie können sich bei der Erstellung des qualifizierten Arbeitszeugnisses an folgende Bausteine halten:

Die Einleitung des Arbeitszeugnisses enthält die Daten Vor- und Zuname, Geburtsdatum und -ort, akademische sowie öffentlich-rechtliche Titel sowie den Beginn und gegebenenfalls das Ende des Arbeitsverhältnisses.

Bei der Beschreibung der Arbeitsaufgaben gehen Sie auf den konkreten Arbeitsplatz des Mitarbeiters ein, beschreiben seine Funktion, die Aufgaben sowie seine Verantwortlichkeiten. Erwähnen Sie dabei auch konkret seine Aufgabenschwerpunkte sowie eventuelle Sonderaufgaben und -projekte. Beschreiben Sie zudem seine Entwicklung seit Beginn des Arbeitsverhältnisses, seine Kompetenzen, eventuelle Vollmachten sowie Erweiterungen/Änderungen seines Aufgabenbereiches.


Bei der Beurteilung der Mitarbeiterleistung sollten Sie auf seine Leistungsbereitschaft, sein Know-how und Fachwissen, sowie auf seine Erfolge bezüglich Qualität, Quantität, Geschwindigkeit etc. eingehen.

Schließen Sie die Leistungsbeurteilung mit einer zusammenfassenden Mitarbeiterbewertung ab.

Orientieren Sie sich dabei an folgende Bewertungen:

  • stets zu unserer vollsten Zufriedenheit = sehr gut,
  • stets zu unserer vollen Zufriedenheit" = gut,
  • entfällt in der Formulierung der Begriff "stets" = befriedigend,
  • fehlt dazu noch der Begriff "voll" = eine unterdurchschnittliche, aber ausreichende Leistung,
  • im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt = mangelhaft,
  • bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen = eine völlig ungenügende Leistung.

Neben der Leistung beurteilen Arbeitgeber in einem qualifizierten Arbeitszeugnis auch immer das Verhalten eines Mitarbeiters. Wichtig ist dabei, dass Sie auf das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen sowie Kunden und Lieferanten eingehen:

  • Das persönliche Verhalten war stets vorbildlich. Er war allseits anerkannt und geschätzt = sehr gut.
  • Sein persönliches Verhalten war stets einwandfrei = gut.
  • Sein persönliches Verhalten war einwandfrei = befriedigend.
  • Sein Verhalten war höflich und korrekt = ausreichend.
  • Sein persönliches Verhalten war nicht frei von Beanstandungen = unzureichend.

Wichtig ist, dass Sie darauf eingehen, wem gegenüber die Verhaltensbeurteilung gilt. Also, wie der Mitarbeiter zu Kollegen, Vorgesetzten, Geschäftspartnern und Kunden war.

Zum Schluss gehen Sie auf die Art und Weise der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein – nämlich, ob es einvernehmlich oder auf eigenen Wunsch beendet wurde. Erwähnen Sie auch das Beendigungsdatum (wenn Sie nicht bereits am Anfang des Zeugnisses darauf eingegangen sind). Und auch wenn das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil (Az.: 9 AZR 227/11) festlegte, dass die Dankesformel für Arbeitgeber nicht mehr verpflichtend ist, sollten Sie Ihren Mitarbeitern generell für die Zusammenarbeit danken sowie das Bedauern über das Ausscheiden aussprechen. Es sei denn, Ihr Mitarbeiter hat die berühmten goldenen Löffel geklaut, dann ist es verständlich, wenn Sie auf die guten Wünsche für die Zukunft verzichten möchten und auch der Dank und das Bedauern ausbleibt.

Ihr Ulf Weigelt