Mir geht der Tratsch im Unternehmen zu weit. Aus dem sogenannten Flurfunk ist mittlerweile eine brodelnde Gerüchteküche mit vielen Fehlinformationen geworden. Welche rechtlichen Mittel stehen mir als Arbeitgeber zur Verfügung, diese tratschenden Mitarbeiter zu stoppen?, fragt Robert Unger.

Sehr geehrter Herr Unger,

jedes Unternehmen verfügt über einen Flurfunk, der gehört irgendwie dazu. Daher sollten Vorgesetzte dem Tratsch gegenüber eine gewisse Souveränität an den Tag legen. Wenn Gerüchte allerdings Überhand nehmen, sollten Arbeitgeber rasch die Notbremse ziehen. Denn daraus kann sich unter Umständen schnell Mobbing oder Rufschädigung entwickeln.

Brodelt also die Gerüchteküche bei Ihnen derart, dass Sie einen (Image-)Schaden für Ihr Unternehmen befürchten, sollten Sie zunächst das Gespräch mit den entsprechenden Mitarbeitern suchen. Dafür müssen Sie allerdings wissen, wer Urheber und Verbreiter von unwahren Behauptungen ist. Meist ist es nicht möglich, die Quelle des Tratsches ausfindig zu machen. Dann sollten Sie mit dem gesamten Team ein Gespräch führen. Erklären Sie den Beteiligten einerseits, welche Probleme Sie konkret sehen. Ziehen Sie andererseits klare Grenzen und stellen Sie entsprechende Regeln auf. Hat das Gespräch keine Wirkung auf Ihre Mitarbeiter, sollten Sie die Ermahnung noch einmal schriftlich formulieren und zustellen.

Ignorieren Ihre Mitarbeiter die mündliche und schriftliche Ermahnung, sollten Sie noch deutlicher werden. Sie können auch Abmahnungen aussprechen. Sinnvoll ist, diese nicht nur schriftlich zuzustellen, sondern sich auch den Empfang per Unterschrift bestätigen lassen. Denn nur mit einer wirksamen Abmahnung können Sie bei Bedarf ordentlich (also fristgerecht) kündigen, sollten Ihre Mitarbeiter weiterhin nicht ihr unerwünschtes Verhalten abstellen. Und eine Kündigung ist immer schriftlich zu erklären.

Eine fristlose Kündigung ist allerdings nur möglich, wenn ein Mitarbeiter Ihnen einen Kündigungsgrund im Sinne des § 626 BGB liefert, der eine Weiterbeschäftigung unzumutbar macht. Solch ein Grund wäre beispielsweise, wenn der Tratsch den Straftatbestand einer üblichen Nachrede oder schweren Beleidigung erfüllt. Denn Unwahrheiten, die andere Kollegen, Chefs oder auch Kunden herabwürdigen oder in ihrer Ehre verletzen, sind nach § 626 BGB ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung.

Mitarbeiter sollten daher grundsätzlich vorsichtig mit Tratsch sein, denn wenn Gerüchte Überhand nehmen, stört so ein Verhalten den Betriebsfrieden. Allerdings gibt es selbstverständlich ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Schwierig sind in der Regel Behauptungen, die nicht der Wahrheit entsprechen oder die beleidigend und herabwürdigend sind. 

Ulf Weigelt