Ich möchte aus privaten Gründen umziehen. Mein Arbeitgeber unterhält deutschlandweit verschiedene Büros, unter anderem auch an meinem gewünschten neuen Wohnort. Ferner ist meine Tätigkeit auch ortsunabhängig auszuführen (z.B. durch E-Mail, Telefon und Webkonferenzen), auch Homeoffice wäre problemlos möglich. In meinem Arbeitsvertrag ist mein Arbeitsort allerdings festgelegt (mit der Klausel der "betriebsbedingten Versetzung" an einen anderen Standort). Kann ich dennoch aus privaten Gründen eine Versetzung an einen anderen Unternehmensstandort beantragen oder ist das nur dem Arbeitgeber vorbehalten?, fragt Gabriel Schinkel.

Sehr geehrter Herr Schinkel,

aus arbeitsrechtlicher Sicht geht es bei einer Versetzung nicht nur um einen neuen Arbeitsort. Auch die Übertragung eines anderen Aufgabenbereichs wird als Versetzung bezeichnet. Ob es überhaupt eine Versetzung ist, zeigt ein Vergleich der neuen Tätigkeit mit den bisherigen Aufgaben, dem Umfang und Ort. Nach § 106 S. 1 Gewerbeordnung (GewO) kann der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrags oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind.

Möchte also ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter, eine Abteilung oder gar einen ganzen Standort versetzen bzw. verlagern, erwartet er in der Regel von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität.

Im Umkehrschluss sind aber die wenigsten Arbeitgeber so flexibel, dass sie die Versetzungswünsche ihrer Mitarbeiter erfüllen. Und das müssen sie auch nicht, denn Arbeitgeber sind frei in ihren unternehmerischen Entscheidungen. Das heißt: Mitarbeiter haben im Regelfall keinen Anspruch auf eine Versetzung – auch, wenn der Arbeitsort für die Ausübung einer Tätigkeit nicht relevant ist.

Dennoch sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen und ihm erklären, warum Sie sich die Versetzung wünschen. Gehen Sie vorbereitet in dieses Gespräch und zeigen Sie Ihrem Vorgesetzten die verschiedenen Möglichkeiten auf (Arbeitsplatz in anderer Filiale, jetziger Arbeitsplatz in Kombination mit einem Homeoffice, eine stärkere Motivation oder Ähnliches könnten Ihre Argumente sein). Ist für Ihre Tätigkeit Ihr jetziger Arbeitsort relevant, sollten Sie das unbedingt in Ihrer Argumentation berücksichtigen. So nehmen Sie Ihrem Chef den Wind aus den Segeln.

Ich raten Ihnen jedoch, darauf vorbereitet zu sein, falls Ihr Arbeitgeber ablehnt. Sie sollten gut durchdenken, wie Sie reagieren. Denn Ihr Arbeitgeber wird Sie dann sicherlich fragen, ob Sie planen, zu kündigen.

Ihr Ulf Weigelt