Der Biersommelier Oliver Wesseloh aus Hamburg © Kehrwieder Kreativbrauerei

Bei einem Schüleraustausch in Kanada lernt Oliver Wesseloh auch das kanadische Bier kennen, aber nicht lieben. Die Idee, in Kanada deutsches Bier zu brauen, ist geboren. Bis nach Kanada hat Wesseloh es (bisher) zwar nicht geschafft, aber zur eigenen Brauerei in Hamburg.

Vor der Gründung der "Kehrwieder Kreativbrauerei" war der Brauer in Südamerika, der Karibik und den USA tätig, wo auch seine Idee reifte. Denn noch ein Pils oder Weizen brauen, war dem Hamburger nicht genug. "Die Kreativität und Geschmacksvielfalt der amerikanischen Craft Brewer hat mich schlichtweg umgehauen und nachhaltig beeindruckt. Und plötzlich war die richtige Idee da: Ich braue kreative Biere in Deutschland. Daher bin ich im Sommer 2012 mit meiner Familie zurück nach Hamburg gezogen, um den Traum der eigenen Brauerei Wirklichkeit werden zu lassen", erzählt Wesseloh.

Den Schritt in die Selbstständigkeit ging der 40-jährige amtierende "Weltmeister der Sommeliers für Bier" mit dem Hamburger Friedrich Matthies. 

Wie vielseitig der Beruf des Brauers sein kann, zeigt der Joballtag von Wesseloh. Einerseits braut er mit seinem Partner Matthies für die Kreativbrauerei Bier. Dazu gehört, die Produktionsprozesse und Anlagen zu steuern und zu optimieren, Roh- und Hilfsstoffe einzukaufen, mikrobiologische Untersuchungen und sensorische Prüfungen durchzuführen etc. Andererseits setzt er sich für die Biervielfalt ein. Als Weltmeister der Sommeliers für Bier hält er Vorträge und wird für Verkostungen gebucht. So war er gerade als Jurymitglied beim "World Beer Cup" in Denver und hat anschließend verschiedene Brauereien in den USA besucht. Aber auch als Berater ist Wesseloh weltweit bei Brauereien zu Gast. Sein nächster Auftrag führt ihn zu einem Sommelierkollegen nach Brasilien, um dort gemeinsam ein Bier zu brauen.

Die spannendsten Aufgaben eines Brauers sind jedoch die Rezeptentwicklung und das Brauen selbst. Als selbstständiger Brauer kommen allerdings noch weitaus mehr Aufgaben wie etwa Vertrieb, Buchführung, Wareneinkauf, Jahresplanung, Marketing, Messeauftritte etc. hinzu.

Wer eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer macht, kann im Anschluss die Meisterschule besuchen oder ein Studium zum Beispiel an der VLB/TU-Berlin als Diplom-Braumeister abschließen. Wesseloh selbst hat an der TU Berlin sein Studium als Dipl.Ing. für Brauerei- und Getränketechnologie abgeschlossen sowie im Frühjahr 2012 die Ausbildung zum Diplom-Biersommelier absolviert: Er kennt nicht nur den Herstellungsprozess und erkennt ein gutes Bier, er kann auch das passende Bier zum Essen auswählen.

Die Jobmöglichkeiten für Brauer sind sehr vielseitig, wie die Biografie von Wesseloh zeigt: Er hat in den Laboren großer Getränkeproduzenten gearbeitet, Laborpersonal geschult, als Urlaubsvertretung eine Brauerei auf der Karibikinsel Dominica geleitet, als Projektleiter den Bau und die Installation einer Brauerei auf den Kaiman Inseln überwacht und im Anschluss die technische Leitung übernommen sowie den technischen Vertrieb eines großen deutschen Brauereianlagenherstellers in Nordamerika sowie der Karibik verantwortet.

Die Schattenseiten für Wessloh sind die Arbeitszeiten, denn Freizeit hat er kaum – so gut läuft das Geschäft.

Belohnt wird er dafür mit der Möglichkeit, selbstbestimmt zu machen, was sein Ding ist. "Wir möchten erstklassige Biere brauen und immer wieder neue Rezepte entwickeln", sagt er. "Nebenbei können wir immer wieder neue und auch mal etwas ausgefallenere Biere brauen. Eben genauso wie es uns gefällt – ohne Kompromisse."

  • Gehalt: Die Ausbildungsvergütung orientiert sich an den Tarifverträgen der jeweiligen Bundesländer (z.B. im ersten Ausbildungsjahr etwa 650 Euro, im dritten ca. 880 Euro). Nach abgeschlossener Ausbildung und wenig Berufserfahrung verdienen Brauer rund 2.000 bis 2.500 Euro brutto monatlich.
  • Arbeitszeiten: Durchschnittlich 40 Stunden wöchentlich.
  • Ausbildung: Es besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer zu absolvieren oder Brauerei-, Getränke- oder Lebensmitteltechnologie zum Beispiel an den Technischen Universitäten in Berlin oder München zu studieren.