Illustratoren visualisieren nicht nur Inhalte, im besten Fall emotionalisieren sie sie. Dabei setzt jeder Illustrator seinen ganz eigenen Stil um. Diese persönliche Herangehensweise ist auch das Markenzeichen eines jeden Illustrators. Und das benötigt er, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Denn von den rund 3.000 Illustratoren in Deutschland ist das Gros selbstständig.

So auch Anne-Katrin Piepenbrink, Illustratorin und freie Künstlerin aus Hamburg, die bis auf eine kurze Ausnahme, seit fast 20 Jahren selbständig ist.
Ihre Aufträge sind dabei vielfältig und reichen von der Sachillustration für Schulbuch- und Zeitschriftenverlage bis zu ganzen Bilderbüchern für Kinderbuchverlage. Und auch die Arbeitsweise unterscheidet sich dabei sehr. Während sie für ihre Sachillustrationen zum Computer greift, entstehen ihre Bilderbücher mit Tusche oder Acryl in Handarbeit.

Das Abstimmen mit dem Kunden allerdings ist bei jedem Auftrag gleich. Um herauszufinden, welche Vorstellungen der Kunde hat und ob und wie diese umsetzbar sind, macht Piepenbrink bei komplizierten und umfangreichen Illustrationen zunächst eine Skizze und bei Büchern ein ganzes Storyboard. Einerseits zeigt das ihren Kunden, ob ihre Gedanken und Wünsche durchdacht sind. Andererseits gibt es hinterher keine bösen Überraschungen, weil der Kunde etwas anderes im Kopf hatte. Erst nachdem die Skizze oder das Storyboard mit dem Auftraggeber abgestimmt ist, setzt Piepenbrink sich an die Reinzeichnung.

Die Einsatzbereiche für Illustratoren sind vielfältig und reichen von Buch- und Zeitschriftenverlagen, über die Werbung, den Film und das Internet bis hin zu Computer-, Brett- und Kartenspielen und sogar Spielzeug. Die größte Nachfrage nach Illustrationen besteht jedoch immer noch bei Buch- und Zeitschriftenverlagen. Dort sind die Verdienstmöglichkeiten allerdings am schlechtesten.

Der Illustrator Felix Scheinberger nennt in seinem Buch 100 Wege einen Vogel zu malen als marktübliche Honorare Summen wie 500 bis 800 Euro pro CD-Cover, 1.200 bis 1.500 Euro für Titelseiten sowie 3.000 bis 5.000 Euro für Wimmelbilder. Eine Umfrage des Berufsverbands Illustratoren Organisation (IO) zeigt allerdings, dass gut die Hälfte der Befragten weniger als 1.500 Euro netto monatlich zum Leben zu haben.

Anne Piepenbrink bestätigt diesen Trend. Sie rät Berufsanfängern daher: "Mach's nie umsonst!" Sie hat früh angefangen, sich intensiv mit den Honoraren und Nutzungsrechten auseinanderzusetzen. Ihr Honorar setzt sich immer aus dem Erstellungs- und dem Nutzungshonorar zusammen. Dabei zählen das Abstimmen mit dem Kunden, das Erstellen einer Skizze sowie die Reinzeichnung zum Erstellungshonorar.

Besser keine Tagessätze verhandeln

Piepenbrink selbst verhandelt für ihre Illustratorentätigkeit keinen klassischen Tagessatz, sondern lässt sich nur per Auftrag buchen. "Ich mache pro Illustration ein Angebot, so habe ich auch die Nutzungsrechte jeder Illustration in der Hand." Sehr zum Leidwesen ihrer Auftraggeber, die gern alle Rechte komplett hätten. Piepenbrink jedoch vergibt in der Regel nur das einfache Nutzungsrecht. Das heißt, ihre Kunden können ihre Illustrationen einmalig nutzen. Für jede zusätzliche Nutzung fällt ein weiteres Honorar an. Das sichert ihr Einkommen.

Wer Illustrator werden möchte, kann beispielsweise den Studiengang Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg studieren. Wer bereits weiß, dass er sich auf die Kinderbuchillustration konzentrieren möchte, ist an der Fachhochschule in Münster gut aufgehoben. Und wer in Richtung Film denkt, sollte sich an der German Film School in Berlin, der Animation-school-hamburg oder der École Supérieure des Arts Décoratifs de Strasbourg umschauen.

Die Schattenseiten des Berufes sind die typisch negativen Seiten der Selbstständigkeit: ein unregelmäßiges Einkommen, Honorarbedingungen, die sich eher verschlechtern als verbessern sowie Auftraggeber, die Illustratoren lediglich als Dienstleister sehen. Auch sparen viele Hochschulen bei der Ausbildung die wirtschaftlichen Aspekte der Berufspraxis aus. Daher fehlt vielen Illustratoren im Alltag das unternehmerische Know-how oder Wissen darüber, wie man sich selbst am besten vermarktet. Berufsverbände wie der IO unterstützen ihre Mitglieder allerdings und bieten etwa Fortbildungen an. 

Dem entgegensteht die sehr kreative Arbeit. "Eine Illustration muss auf einen Schlag eindeutig sein. Ferner möchte ich, dass der Betrachter Freude daran hat", sagt Piepenbrink. Sie ist damit nicht allein. Für viele Illustratoren ist ihre Arbeit nicht nur ein Mittel zur Visualisierung von Sprache, sondern sie sehen darin einen künstlerischen Ansatz.

  • Gehalt: Je nach Know-how liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Illustrators zwischen 1.250 und 2.170 Euro brutto monatlich. Bei Selbstständigen liegt der durchschnittliche Stundensatz bei etwa 70 Euro. Dabei ist die Arbeit per Hand zeitintensiver, anspruchsvoller und entsprechend teurer als die Arbeit am Rechner.
  • Arbeitszeit: Illustratoren arbeiten fast ausschließlich freiberuflich. Im Angestelltenverhältnis liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei etwa 40 Wochenstunden.
  • Ausbildung: Neben privaten bieten auch viele staatliche Hochschulen Studienangebote mit dem Schwerpunkt Illustration an. Vor dem Studienstart müssen Interessierte in der Regel eine aussagefähige Mappe mit selbst gefertigten Arbeitsproben vorlegen sowie eine Eignungsprüfung ablegen.