Wir arbeiten im Baugewerbe und bekommen momentan unser Gehalt nicht regelmäßig. Meine Kollegen haben im April für den März einen Abschlag bekommen. Ich ging leer aus, da ich krank war. Unser Chef vertröstet uns seit drei Wochen mit dem Argument, dass die Kunden noch nicht überwiesen hätten. Wie lange müssen wir das akzeptieren beziehungsweise was sollen wir tun?, fragt Simon Frank.

Sehr geehrter Herr Frank,

zahlt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern den Lohn nicht, obwohl diese ihre Arbeitsleistung bereits erbracht haben, haben die Betroffenen das Recht auf Arbeitsverweigerung (Zurückbehaltungsrecht ihrer Arbeitskraft). Doch Vorsicht: Mitarbeiter müssen hier einiges beachten.

Setzen Sie zunächst Ihrem Arbeitgeber nachweislich schriftlich eine Frist zur Zahlung. Zahlt er dann immer noch nicht, haben Sie und Ihre Kollegen die Möglichkeit, den Lohn vor Gericht einzuklagen. Da dieser Schritt Zeit kostet, ist er für viele Arbeitnehmer aber keine echte Alternative.

Auch steht häufig die Frage im Raum, ob man als Mitarbeiter noch zur Arbeit erscheinen muss, wenn das Gehalt ausbleibt. Liegt ein Lohnrückstand von zwei bis drei Monatsgehältern vor, können Mitarbeiter so lange zu Hause bleiben, bis das ausstehende Gehalt gezahlt wird. Arbeitnehmer müssen dann weder befürchten, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren, noch, dass sie für die Zeit, in der sie zu Hause bleiben, kein Gehalt bekommen.

Möchten Sie zu Hause bleiben, müssen Sie Ihr Zurückbehaltungsrecht ausdrücklich geltend machen. Das heißt, Sie müssen schriftlich formulieren, warum Sie nicht zur Arbeit erscheinen (nämlich, weil Ihr Lohn aussteht) und wie Ihr finanzieller Anspruch konkret aussieht (wie viel Gehalt Ihr Chef Ihnen schuldet). Dabei muss deutlich werden, dass Sie aufgrund des ausstehenden Gehalts Ihre Arbeitsleistung verweigern. Dieses Recht steht Ihnen so lange zu, bis Ihr Arbeitgeber Ihnen den fälligen Lohn schließlich nachzahlt.

Ganz wichtig: Sie dürfen das Arbeitsverweigerungsrecht nicht missbrauchen. Steht beispielsweise nur noch ein geringer Teil Ihres Lohns aus, haben Sie keinen Anspruch mehr auf dieses Recht. Auch dürfen Sie Ihre Arbeitsleistung nicht verweigern, wenn Ihrem Arbeitgeber dadurch ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden entsteht. Der Grund ist simpel: Wenn ein Unternehmen nicht mehr tätig sein kann, kann es auch keinen Umsatz machen, um letztlich die Löhne zu bezahlen.