Ein Teil unserer Belegschaft hat täglich sehr anstrengende körperliche Tätigkeiten zu erledigen. In letzter Zeit sind immer wieder einige Mitarbeiter aus diesem Team aufgrund der körperlichen Belastungen für einen längeren Zeitraum ausgefallen. Muss der Arbeitgeber diesen Mitarbeitern einen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, wenn diese nicht mehr an ihre alte Arbeitsstelle zurückkehren können?, fragt Conrad Gärtner.

Sehr geehrter Herr Gärtner,

fallen Mitarbeiter aufgrund von gesundheitlichen Belastungen aus und ist die Ursache für diese Beschwerden die Tätigkeit, sind Arbeitgeber angehalten, ihren Mitarbeitern einen anderen und zumutbaren Arbeitsplatz zu stellen. Dieser muss den arbeitsvertraglichen Vereinbarungen entsprechen, selbst wenn die Beschwerden aufgrund des fortschreitenden Alters auftreten.

Daher sind Arbeitgeber grundsätzlich gut beraten, wenn sie von vornherein die Belastungen an Arbeitsplätzen so gering wie möglich halten und den technischen Arbeitsschutz beachten. Dazu gehört etwa die körpergerechte, ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze. Eine Möglichkeit sind beispielsweise auch Rotationssysteme, die Mitarbeitern den Wechsel zwischen anstrengenden und leichteren Tätigkeiten ermöglichen.

Besteht im Unternehmen nicht die Möglichkeit zur Rotation und können Sie die betroffenen Mitarbeiter auch nicht versetzen, dann bedeutet dies, dass Sie keine gleichwertige arbeitsvertragliche Beschäftigung anbieten können, welche der Mitarbeiter aufgrund seiner Ausbildung und körperlichen Verfassung ausüben kann. In diesem Fall können Sie eine krankheitsbedingte Kündigung aufgrund dauernder Arbeitsunfähigkeit aussprechen. Allerdings ist das an einige Hürden gebunden.

Denn in der Regel haben Mitarbeiter die Möglichkeit, eine Arbeitsförderungsmaßnahme (z.B. Umschulung) der Agentur für Arbeit in Anspruch zu nehmen. Finanziert werden solche Umschulungen meist von der Bundesagentur für Arbeit oder der Rentenversicherung. Dabei erhalten Betroffene für die Dauer der Maßnahme ein Übergangsgeld auf Grundlage ihres bisherigen Gehalts.

Existiert im Betrieb ein Betriebsrat, muss dieser vor einer Kündigung angehört werden. Die Arbeitnehmervertreter können der Maßnahme auch widersprechen, wenn abzusehen ist, dass nach einer Umschulung oder Fortbildung andere Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen möglich sind.

Nur wenn die kranken Mitarbeiter selbst kündigen, können Sie als Arbeitgeber die Beschäftigten auf einfache Weise loswerden. Hier ist aber Vorsicht geboten: Denn Arbeitnehmern, die von sich aus kündigen, kann eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld drohen. Deshalb ist es für Betroffene ratsam, sich bei der Agentur vorab ganz genau zu informieren. Auch sollten sie ein entsprechendes Attest vom Arzt parat haben, um ihre gesundheitlichen Beschwerden belegen zu können.

Ihr Ulf Weigelt