Ist die Heimarbeit störungsfreier und produktiver und wie arbeiten Sie im Homeoffice? Das wollten wir kürzlich von unseren Lesern wissen. Für eher störungsanfällig hält Leserin Verena Müller-Rohde das Arbeiten von Zuhause. Der Grund: Ihr Heimbüro wird von Katze und Baby bevölkert. Ihr Nachwuchs kippt schon mal den Kaffee über der Tastatur aus. Und aus unerklärlichen Gründen hat die Katze selbige als ihren liebsten Aufenthaltsort auserkoren. Als dann noch der Sohn während eines Kundengesprächs "Mamaaa, ich muss mal Pipi!" in den Raum kräht, habe dies die Kommunikation mit dem Kunden allerdings aufgelockert, schreibt unsere Leserin. Der Mann hat selbst drei Söhne und kann über den Zwischenfall lachen. Kinder und Katzen hält aber nicht nur Müller-Rohde für eine willkommene Störung, auch andere Leser stimmen ihr in diesem Punkt zu.

Besonders die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf betonen viele Leser, die selbst kleine Kinder haben. Kommentator freund-der-Worte etwa beschreibt, wie er in den ersten Lebensjahren seiner Kinder durch Arbeit im Homeoffice Familie und Job besser in Einklang bringen konnte. "So habe ich flexibel zum Beispiel auf den Spielplatz oder zu besonderen Kindergarten-Tagen gehen können, wo sonst nahezu nur Mütter hinkommen", berichtet er.

Ein entspanntes Familienleben klappt mit der Heimarbeit auch für Leser Klapptritt. Er verweist auf diesen Comic, wonach die Partnerschaft angeblich leide, wenn beide von zu Hause aus arbeiten. Bei Kommentator Klapptritt ist das aber nicht so: "Spätestens um acht sitze ich morgens geduscht, ordentlich angezogen und 'gefrühstückt' am Schreibtisch. Das 'Catering' besorgt meine Frau, die zu Hause ist. Regelmäßige kleine Pausen mit Tee, Mittagessen und Kaffeetrinken sowie guten Gesprächen sorgen bei aller Arbeitslast für einen zivilisierten, kultivierten Tagesablauf. Abends machen wir meistens noch zusammen einen ausgedehnten Spaziergang."

Gut findet die Mehrheit unserer Leser auch, dass es im Homeoffice keine Unterbrechungen durch Bürotratsch, Lärm oder ungeliebte Kollegen gibt. Ohnehin vermissen wenige die soziale Interaktion. Und es spart Zeit, nicht zur Arbeit fahren zu müssen.

Kontakte zu Kollegen fehlen

Andere wiederum vermissen beim Arbeiten zu Hause den Kontakt zu den Kollegen. Dieser sei für die Qualität der Arbeit und als Gegengewicht zum einsamen Heimarbeitsplatz gut, findet Ella Wittnebel. Sie fährt lieber ins Büro, "sonst fehlt die produktive Büroatmosphäre, die Struktur, die Kollegen."

Unser Kommentator Sabelotodo sagt, einiges lasse sich von Angesicht zu Angesicht besser besprechen und die technische Infrastruktur sei im traditionellen Büro gewährleistet.

Und was ist mit der Kleiderwahl? Darf man im Pyjama oder Bademantel arbeiten, wo einen doch niemand sieht? Leser Fred G. Schütz schreibt: "Nie im Bademantel an den Schreibtisch. Immer 'richtig' angezogen (so, dass man auch ohne Umziehen sofort auf Termin kann)." Eva Jobst hingegen gibt zu: "Ja, ich arbeite im Bademantel. Seit Jahren graust es mir vor der Vorstellung, dass Bildtelefon à la Skype Standard werden könnte." 

Für diejenigen Leser, die sich morgens aus dem Schlafanzug pellen und in Schale werfen, markiert das die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit. Doch es gibt auch ZEIT-ONLINE-Nutzer, die sich das gar nicht mehr wollen. Sie haben sich ihren eigenen Rhythmus geschaffen. Kommentatorin Talassia beispielsweise empfindet es als "Luxus", mitten am Tag einkaufen gehen zu können und nicht im Büro Präsenz zeigen zu müssen. Auch Leserin Infamia schreibt: "Zwar nehme ich mir auch die Freiheit heraus, zwischendurch mal kurz was zu erledigen, sei es der Abwasch, eine kurze Besorgung um die Ecke, halte gelegentlich auch mal ein kurzes Mittagsschläfchen, aber ich behaupte, ich bin produktiver."

Das Büro wird auf die Terrasse ausgelagert

Noch flexibler gestalten einige Leser die Wahl des Arbeitsplatzes. Einen Schreibtisch oder ein eigenes Büro nutzen nicht alle. Der Küchentisch, der Fußboden, das Sofa, die Terrasse – jeder Ort kann zum Büro werden. Einige verlassen Haus und Hof gleich gänzlich. Miriam Natalie Iring etwa berichtet: "Wenn es mir in meiner Wohnung zu laut ist, verziehe ich mich in einen Lesesaal. Balkon, Park und See funktioniert definitiv nicht, da man dort zu schnell in den Freizeit-Modus gerät."

Dass Heimarbeiter, die ihren Arbeitsplatz vom Tisch weg verlegen, prominente Gleichgesinnte haben, lässt uns Katia Moya wissen. Sie erzählt, der iranische Ministerpräsident Mossadegh habe grundsätzlich im Bett gearbeitet.

Aber es gibt auch Stimmen, die das Konzept Heimarbeit als Ganzes kritisieren. Der feste Feierabend fehle, Arbeitsplatz und Freizeit seien räumlich nicht getrennt – da drohe doch ein Burn-out, meint unser Leser Nico Bär. Auch Esther Reinwald findet Nachteile am Homeoffice: "Man arbeitet non-stop. Immer in Bereitschaft." Dass diese Einschätzung stimmen kann, zeigt der Beitrag von Marianne Kaindl. Sie beschreibt, wie sie aus dem Krankenhaus vor und nach ihrer Blinddarm-OP mit Kunden und Anzeigenredaktion verhandelte. Immerhin gab es danach einen Blumenstrauß vom Kunden. Aber was nützt der, wenn am Ende die Gesundheit gefährdet ist?

Die Nachbarn kondolieren dem Trauerredner

Die Diskussion um das Homeoffice zeigt auch, dass sich die Organisation der Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Die Älteren würden diese Form von Arbeit nicht als solche wahrnehmen, sagt Doro Nickl-Dobler. Sie berichtet, dass ihre Mutter sie gefragt habe, ob sie etwa "noch von zu Hause aus oder mittlerweile richtig" arbeite?  Ähnlich ergeht es Nadine Euler, deren Mutter der Ansicht ist, dass sie nicht erwarten könne, für ihre Arbeit "richtig bezahlt" zu werden, wo sie doch von daheim arbeite.

Dass Heimarbeit unter jüngeren Berufstätigen eher verbreitet ist, zeigt auch die Altersstruktur der Schreiber und Schreiberinnen. Zugegeben, die Datenbasis ließe Sozialwissenschaftler einen Infarkt erleiden, dennoch: Die meisten Rückmeldungen erhielten wir über Facebook und, zumindest um nach den Profilfotos und Beschreibungen der Tätigkeit zu urteilen, von selbstständigen Akademikern zwischen 25 und 40 Jahren.

Und dann erreichte uns noch ein Beitrag von unserem Leser Tino Grosche, der als freier Trauerredner arbeitet. Er bereitet seine Reden für Beerdigungen und Trauerfeiern im Homeoffice vor. "Das Schreiben der Rede mache ich am Küchentisch. Pietät ist ortsunabhängig. Es ist eine Haltung. Dafür braucht man kein nobles Büro", schreibt Grosche. In der Küche spreche er sich auch vor einer Rede ein. Nur die Nachbarn hätten dies anfangs seltsam gefunden. Als Grosche neu in seine Wohnung einzog, kamen die besorgten Nachbarn sogar zur Beileidsbekundung herüber. "Mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt."