Dass Namen nicht nur Schall und Rauch sind, hat sich längst herumgesprochen. Sozialpsychologen können mittlerweile belegen, dass sowohl der eigene Name als auch die Namen von Mitmenschen die Urteilsbildung und das Handeln stark beeinflussen. "Kevin" zum Beispiel ist nach Ansicht mancher Lehrer mehr Diagnose als Name.

Ihm trauen viele Menschen vermutlich keine Karriere als Publizist zu. Wenn Kevin es zum angesehenen Autor schaffen will, bietet sich ihm jedoch ein karriereförderlicher Trick an.

Haben seine Eltern ihn mit einem zweiten Vornamen – sagen wir "Marvin" – gesegnet, sollte er diesen keineswegs verschweigen, sondern als "Mittelinitial" verwenden. Denn ein "Kevin M. Schmitz" wird von vielen Menschen gleich für schreibfertiger und intellektuell leistungsfähiger gehalten.

Den Einfluss des Initials oder eines zweiten Vornamens auf die Wahrnehmung haben nun niederländische Psychologen um Wijnand A. P. van Tilburg von der Universität Southhampton nachgewiesen.

Im ersten Teil ihrer Studie lasen 85 Studenten einen Text über Einsteins Relativitätstheorie. Mit einem Unterschied: Mal hieß der Autor "David Clark", mal "David F. Clark", "David F.P. Clark" oder "David F.P.R. Clark". Die Probanden sollten nach der Lektüre Noten von 1 bis 7 für die Qualität des Textes vergeben. Und siehe da: Der Notenschnitt war bei den Mittelinitialen deutlich besser. 

Ein abgekürzter Zweitname wirkt intellektuell

Wenn Kevin allerdings eine Sportkarriere anstrebt oder als Gebrauchtwagenhändler reich werden will, dann kann er auf die Nennung seines Zweitnameninitials auch ebenso gut verzichten. Denn Van Tilburg und Igou konnten in einer anderen Befragung zeigen, dass Menschen nur bei intellektuellen Aktivitäten auf das Mittelinitial achten.

Aber wieso besteht ein Zusammenhang zwischen Mittelinitialen und Intellekt? Van Tilburg hält es für möglich, dass viele Menschen bei Mittelinitialträgern einen höheren sozialen Status erwarten. Sozial höher gestellte Menschen, so sagt offenbar die Lebenserfahrung, haben eher zweite oder dritte Vornamen und präsentieren diese eher als weniger gut gestellte. Dieser unterstellte Status der Initialträger wiederum wird offenbar mit höherer Bildung und höheren intellektuellen Fähigkeiten verbunden.

Die Lehre aus diesen Erkenntnissen? Für Menschen ohne Zweitnamen könnten, so geben van Tilburg und Igou zu, ihre Ergebnisse "ein wenig irritierend" sein. Sie warnen vor der Gefahr "irrtümlicher Deutungen". Mit anderen Worten: Ein Kevin M. Schmitz ist nicht zwangsläufig klüger als ein Kevin Schmitz.

Erschienen in der WirtschaftsWoche