Unzufriedene Beschäftigte sind nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine mindestens ebenso große Gefahr für Unternehmen wie Cyber-Attacken durch Industriespione. Bei frustrierten Arbeitnehmern steige die Bereitschaft, ihr Wissen an konkurrierende Unternehmen oder ausländische Geheimdienste zu verraten, warnte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag in Berlin bei einer Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsspionage. Jahrelang hätten Cyber-Angriffe im Mittelpunkt der Diskussion gestanden. Der menschliche Faktor dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden.

Nach Schätzungen der Wirtschaft entsteht deutschen Unternehmen jährlich ein Schaden von mindestens 50 Milliarden Euro durch Wirtschaftsspionage über das Internet. Besonders oft komme Verrat von Firmengeheimnissen oder Entwicklungen vor, wenn enttäuschte Mitarbeiter sich von ihrem Arbeitgeber trennten. Zuletzt hatte zwar die jüngste Gallup-Studie festgestellt, dass die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber in Deutschland erstmals wieder leicht zugenommen hatte – dennoch hat jeder Fünfte hierzulande innerlich bereits gekündigt.

Auch könnten soziale Probleme wie Alkoholismus oder Spielsucht dazu führen, dass Mitarbeiter Geld benötigten und deshalb sensible Informationen verkauften. 

Häufig würden Betriebsgeheimnisse auch aus Eitelkeit ausgeplaudert, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW), Volker Wagner. Dies sei beispielsweise in Flughafen-Lounges oder auf der Fahrt im ICE gut zu beobachten. Auch in der Kneipe prahlten Mitarbeiter nach einer Messe gern stolz und in aller Öffentlichkeit über ihre Vertriebserfolge.  

Unternehmen sollten sich mit entsprechenden Verschwiegenheits- und Wettbewerbsklauseln im Arbeitsvertrag schützen.

Große Sorge bereite dem Verfassungsschutz zudem, dass es unter Islamisten und ausländischen Nachrichtendiensten offenbar Überlegungen für Cyber-Attacken auf kritische Infrastrukturen in Europa gebe. Dazu gehören beispielsweise die Strom - und Wasserversorgung sowie das Bankensystem. Details nannte Maaßen nicht.