Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen macht nur langsame Fortschritte. Das stellt der neue Datenreport über die Lebenssituation von Männern und Frauen in Deutschland fest, den das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2012.

Demnach haben vor allem Mädchen einen guten Start ins Leben: Ihre Lebenserwartung ist etwa fünf Jahre höher als die der Jungen, sie sind im Schnitt gesünder und seltener übergewichtig. Mehr Mädchen als Jungen machen das Abitur, weniger Mädchen als Jungen besuchen eine Förderschule oder brechen die Schule ohne Abschluss ab. Und der Anteil derjenigen, die ein Studium beginnen, ist bei den jungen Frauen mit 52 Prozent höher als bei den Männern.

Allerdings kippt die vorteilhafte Situation der Frauen im Erwachsenenalter. Sie promovieren seltener als Männer und machen entsprechend seltener eine akademische Karriere. Sie kommen auch kaum in Führungspositionen. Generell sind auch weniger Frauen erwerbstätig: 68 Prozent aller Frauen gehen einem Beruf nach, bei den Männern liegt die Quote bei 78 Prozent. Allerdings hat sich die Erwerbsquote seit 1992 verbessert: Damals waren nur 56 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Altern berufstätig.

Vor allem arbeitet der Großteil der Frauen hierzulande in Teilzeit: 2012 betrug die Teilzeitquote der Frauen 45 Prozent.  Dagegen waren nur 9 Prozent der Männer in einem Teilzeitjob beschäftigt. Der Anteil bei den Frauen hat seit 1992 sogar zugenommen: Damals hatten nur 30 Prozent der Frauen eine reduzierte Arbeitszeit.

Väter mit Kleinkindern bleiben selten zu Hause

Die großen Unterschiede bei der Berufstätigkeit von Männern und Frauen hängen vor allem mit der Betreuung von Kindern zusammen: Nach wie vor sind es vor allem die Frauen, die hauptsächlich für die Familie zuständig sind. Mütter sind seltener überhaupt berufstätig. Während 84 Prozent der Väter einer Erwerbsarbeit nachgehen, sind es nur 60 Prozent der Mütter.

Vor allem in den ersten Lebensjahren von Kindern geben Frauen ihren Job zeitweilig auf: Zwei von drei Frauen mit Nachwuchs unter drei Jahren arbeiten nicht. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt auch die Erwerbsquote der Mütter wieder zu; von den Frauen mit Kindern zwischen drei und fünf Jahren arbeiten 62 Prozent – allerdings meist in Teilzeit und nur selten in Vollzeit. Bei den Vätern ist dagegen kaum ein signifikanter Unterschied zu bemerken: Von denen mit Kindern unter drei Jahren gehen 82 Prozent einer Arbeit nach; sobald die Kinder älter als drei sind, liegt die Erwerbsquote bei 85 Prozent.

Insgesamt haben nur 6 Prozent der Männer mit minderjährigen Kindern einen Teilzeitjob; dagegen sind es 69 Prozent der Frauen mit Kindern unter 18 Jahren. Das zeigt die Infografik, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Interessant ist auch der Blick auf die Gründe für die Teilzeitarbeit. 81 Prozent der Teilzeit arbeitenden Mütter geben an, sie könnten Familie und Beruf anders nicht in Einklang bringen. Bei den Männern, die ihre Arbeitszeit reduziert haben, spielt die Vereinbarkeitsfrage eine untergeordnete Rolle – nur ein Viertel arbeitet wegen der Kinder in Teilzeit. Viel häufiger werden als Gründe genannt, dass sie keine Vollzeitstelle finden konnten (39 Prozent) oder nebenbei Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen besuchen (36 Prozent).