Viele Unternehmen in Deutschland sind unzufrieden mit dem Angebot an Kinderbetreuung in Deutschland. 58 Prozent der befragten Arbeitgeber gaben an, dass die Betriebsabläufe durch ein unzureichendes Betreuungsangebot deutlich eingeschränkt würden. Das stellt eine neue Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) fest, für die 1.600 Unternehmen befragt wurden. Besonders kritisch sehen Arbeitgeber demnach die starren Öffnungszeiten vieler Einrichtungen.

Wenn Betreuungsplätze fehlten oder zu bestimmten Zeiten nicht verfügbar seien, schränke das die Eltern und deren Arbeitszeit ein, was sich negativ auf die Betriebsabläufe auswirke, heißt es in der Umfrage. Bei Mitarbeitern mit Kleinkindern behindere ein unzureichendes Betreuungsangebot 35 Prozent der teilnehmenden Betriebe spürbar bis erheblich. Weitere 30 Prozent würden geringfügig in Mitleidenschaft gezogen. Wegen fehlender Betreuung von Kindergartenkindern fühlten sich 62 Prozent der Unternehmen in ihren Betriebsabläufen gestört, mangelnde Schulkindbetreuung wirke sich negativ auf 61 Prozent der Firmen aus.

Besonders die starren Öffnungszeiten von Kita oder Hort sind mit Vollzeitstellen demnach schwer in Einklang zu bringen. 90 Prozent der befragten Arbeitgeber forderten längere Öffnungszeiten am Nachmittag, 79 Prozent allgemein flexiblere Betreuungszeiten. 68 Prozent der Betriebe hätten schon die Erfahrung gemacht, dass Eltern wegen der Betreuungszeiten Arbeitszeit zurückfahren müssten, heißt es in der DIHK-Studie. Häufig reduziert ein Elternteil in den ersten Lebensjahren des Kindes die Arbeitszeit oder setzt sogar für eine längere Zeit aus.

Problematisch finden Arbeitgeber demnach auch, dass viele Betreuungseinrichtungen zeitweise während der Schulferien geschlossen seien. Viele Eltern müssten dann zu dieser Zeit Urlaub nehmen, um die Betreuung zu gewährleisten. Je höher der Anteil an Beschäftigten mit Kindern, desto schwieriger sei es für Unternehmen, Urlaubswünsche und betriebliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, dass dies regelmäßig zu Problemen führe. 18 Prozent der Betriebe versuchten mittlerweile das Problem abzufedern, indem sie eine eigene Ferienbetreuung anböten.

Unternehmen sehen Verantwortung bei der Politik

Selbst an einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie mitwirken, tun der Umfrage zufolge 93 Prozent der Unternehmen. 89 Prozent setzten demnach auf familienfreundliche Arbeitszeiten, jeder zweite Arbeitgeber ermöglicht den Eltern, Büroarbeit auch aus dem Home-Office zu erledigen und ein knappes Drittel der Arbeitgeber gibt Zuschüsse zur Kinderbetreuung. Ebenso viele bieten ihren Mitarbeitern an, die Kinder zeitweilig mit zur Arbeit zu bringen.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben forderte ein Einschreiten der Politik. Zwar unterstützten viele Firmen ihre Mitarbeiter in Fragen der Kinderbetreuung. Es sei aber nicht Aufgabe der Unternehmen, "für ein passendes Betreuungsangebot zu sorgen", sagte er dem Handelsblatt vom Mittwoch. 

Bereits seit 1996 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab drei Jahren, seit 2013 besteht ein solcher Anspruch auch für Kleinkinder ab einem Jahr. Zudem gab es in der Vergangenheit Fördergeld für den Aufbau von Betreuungsangeboten für Schulkinder.