Betriebliche Weiterbildung klingt langweilig. Und in manchen Firmen ist es das auch. Da sitzen Mitarbeiter in abgedunkelten Seminarräumen und sta rren eine Wand an, während ihr Chef mit großem Elan die 47. Powerpoint-Folie präsentiert, die sich kaum von der 22. unterscheidet. Doch es geht auch anders.

Die Macher von Dialogbild aus Hamburg zeichnen Wimmelbilder für Erwachsene und begeistern mit ihrer Methode auch Vertriebsprofis. Zugegeben, auf den ersten Blick wirken die riesigen Plakate wie ein Auszug aus einem Wimmelbilderbuch von Ali Mitgutsch. Der Münchner Bilderbuchautor zeichnet seit den 1960er Jahren für Kinder. Kleinkinder fasziniert das bunte Durcheinander, in dem sie immer wieder ein neues Detail entdecken. Doch eignet sich ein zwei-mal-ein-Meter großes Poster, um Mitarbeitern in einem Workshop das neue Vertriebsmodell vorzustellen oder Führungskräften die Leitlinien des Unternehmens?

2003 wurde die Agentur gegründet. Ursprünglich hatte man einen anderen Namen und war auf klassische Werbethemen spezialisiert. "Eigentlich kam die Idee von Kunden, die sich eine bildliche Umsetzung von komplexen Vorgängen oder Arbeitsabläufen im Unternehmen wünschten", erzählt Geschäftsführer Wolf Wienecke. Für Lufthansa und Airbus entwickelten sie die ersten Bilder. Die kamen so gut an, dass die Agentur entschied, sich nur noch auf ihre sogenannten Dialogbilder zu konzentrieren. Jedes Plakat zeichnen Profis nach den Wünschen der Firmen. Neben den großflächigen Plakaten gibt es inzwischen weitere Produkte wie eine Online-Version der Illustrationen für das iPad oder den PC. Darin integriert sind interaktive Elemente, zusätzliche Lerninhalte wie Videos, Erläuterungen und Quizze. 

Firmen geben Bilder in Auftrag, um ihren Mitarbeitern komplexe Produktionsabläufe, neue Produkte oder Change-Projekte bildlich näher zu bringen. "Man kann aus der Vogelperspektive durch das Bild navigieren", sagt Daniel Schuch, Vertriebsleiter Süd von Dialogbild in Karlsruhe. Auch Unternehmensleitlinien, Organigramme oder Seminare für Führungskräfte eignen sich für diese Darstellung, sagt Schuch. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile rund 21 Mitarbeiter, neben Zeichnern und Illustratoren zählen auch Werbefachleute und Wirtschaftspsychologen zum Team.

Infantiles Weiterbildungskonzept? Vonwegen!

David Gezzele leitet den Bereich Training und Ausbildung der Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse Aktiengesellschaft (Bawag P.S.K.) Er überzeugte Kollegen und Vorgesetzte davon, ein Dialogbild für die Weiterbildung einzusetzen. Von Kritikern, die im Vorfeld über das "infantile Trainingskonzept" schimpften, ließ er sich nicht beirren. Ein innerbetriebliches Projektteam diskutierte, welche Themen auf das Poster sollen und gemeinsam mit der Hamburger Agentur nahm das Bild über mehrere Sitzungen hinweg Gestalt an. Diesen gemeinsamen Entwicklungsprozess empfand Gezzele als bereichernd. Im Workshop diskutierten Mitarbeiter und Führungskräfte dann anhand des Dialogbildes über das neue Kreditprodukt. "Jeder erkennt schnell die Struktur und es lässt Raum für Diskussion", sagt Gezzele. "Natürlich sind Anweisungen enthalten und eine Erwartungshaltung an die Mitarbeiter damit verknüpft." Inzwischen gab die Bawag ein weiteres Dialogbild in Auftrag, das auch elektronisch abrufbar und mit Videosequenzen, erklärendem Text sowie einem Quiz hinterlegt ist. 

Das Unternehmen Bayer als Wimmelbild © PR: Dialogbild

Wolf Wienecke kennt die Vorbehalte. "In jedem Workshop sitzen mindestens ein oder zwei Teilnehmer mit einer Anti-Haltung", hat der Werber beobachtet. Doch gerade wenn es um Veränderungen geht, sieht er Bilder klar im Vorteil gegenüber drögen Power-Point-Folien, denn nach seiner Erfahrung entlocken die Zeichnungen den Teilnehmern Emotionen, über die sich gut diskutieren lässt. "Wir versuchen auch witzige Elemente einzubauen oder zu provozieren", sagt er. Auf einem Beispielbild ist die Verbindungstür zwischen zwei Abteilungen, die eigentlich zusammenarbeiten müssten, mit Bretter zugenagelt. Das fällt sofort ins Auge und bleibt selten unkommentiert.

Die Kundenliste zeigt viele namhafte Unternehmen, neben Lufthansa auch BMW oder Bombardier. Mittlerweile fertigt man aber nicht nur Wimmelbilder an, sondern auch kurze Filme, sogenannte Scribbles, die an Stichmännchen aus Comic-Strips erinnern. Es gibt auch Unternehmen, die ihren eigenen Führungskräften den Zeichenstift in die Hand drücken. Continental-Manager beispielsweise entwickelten gemeinsam mit den Grafikern von Dialogbild ihre Führungsrichtlinien in einem Wimmelbild. Auch neuen Mitarbeitern erschließt sich die komplizierte Unternehmenswelt anfangs oft leichter mit einer solchen Illustration als mit einem Organigramm.

Ganz billig sind diese aufwändigen Illustrationen allerdings nicht. Die Kosten für ein Bild beginnen bei etwa 10.000 Euro. Auch wenn David Gezzele gute Erfahrungen mit den beiden bisher eingesetzten Dialogbildern gesammelt hat, empfiehlt er, die Methode nicht zu häufig einzusetzen. In den Sozialräumen der Bank hängen die Dialogbilder noch als Gedächtnisstütze für die Mitarbeiter.