Wer schlecht oder gar nicht hören kann, stößt im Alltag oft auf Schwierigkeiten. Ein Arztbesuch, das Gespräch mit einem Anwalt, der Termin bei einer Behörde: All das wird schnell zum Hindernislauf. Und manche Dinge sind so gut wie unmöglich. Ein Studium aufzunehmen zum Beispiel.

Hörgeschädigte seien in einer Vorlesung kaum in der Lage, das vom Professor Gesagte von den Hintergrundgeräuschen im Hörsaal zu trennen, sagt Ulrike Waltsgott. Sie ist Schriftdolmetscherin und hilft als solche immer dann, wenn bei wichtigen Anlässen die Kommunikation erfasst und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden muss. "Der Hörgeschädigte kann die gesprochenen Worte dann einfach von einem Bildschirm ablesen", sagt Waltsgott.

Schriftdolmetscher sitzen mitunter auch neben Schwerhörigen in der Uni, oder sie werden online zugeschaltet. Auftraggeber sind die Hörgeschädigten selbst. Die Kosten allerdings werden von unterschiedlichen Trägern übernommen.

Für ihre Arbeit nutzen Schriftdolmetscher unterschiedliche technische Systeme. In der konventionellen Methode schreiben sie das gesprochene Wort im Zehn-Finger-System auf einer Computertastatur mit. Dazu braucht man eine hohe Auffassungsgabe, und man muss mindestens 400 bis 500 Anschläge pro Minute schaffen. Der Vorteil der Methode: Sie lässt sich flexibel einsetzen, und es wird keine besondere Ausrüstung benötigt. Zudem ist das System relativ schnell erlernbar, wenn man das Zehn-Finger-System schon beherrscht. Allerdings kommt man über eine bestimmte Geschwindigkeit nicht hinaus.

"Es gibt einige Kollegen, die 600 und mehr Anschläge pro Minute schaffen", sagt Waltsgott. Aber selbst ihnen gelinge es nicht, bei normalem Sprechtempo simultan alles wortwörtlich mitzuschreiben. Deshalb ist eine andere Methode gerade sehr im Kommen: ein System der Spracherkennung, das eine Computersoftware nutzt. Der Schriftdolmetscher spricht dabei simultan das, was er hört, in ein Mikrofon. Der Computer setzt es dann in Schrift um. So kann eine höhere Textdichte erreicht werden. Allerdings funktioniert das System noch nicht perfekt. "Während der Originalredner spricht, muss ich auch sprechen. Das irritiert; bisweilen wird hier vor Ort mit einer Stenomaske oder eben online aus der Ferne gearbeitet", sagt Waltsgott.

Die dritte gebräuchliche Methode ist die computergestützte Maschinenstenografie. Hier wird das gesprochene Wort mittels einer speziellen Stenografie-Tastatur direkt an einen Computer übertragen, der die Steno-Eingabe umwandelt und den Text auf einem Bildschirm abbildet. Auch mit diesem System sind hohe Geschwindigkeiten möglich, allerdings ist die technische Ausrüstung aufwändig und teuer.

Ganz gleich, welches System ein Schriftdolmetscher verwendet: Die Schwierigkeit liegt immer darin, das Wesentliche des Gesprochenen zusammenfassen und keine wichtigen Inhalte wegzulassen. "Neigt der Sprecher zum Schwafeln, muss ich das schnell herausfiltern", sagt Waltsgott. "Schriftdolmetschen erfordert viel Konzentration, das hält man nicht lange durch. Je nach System arbeiten wir selten länger als eine Dreiviertelstunde, dann wird gewechselt." Vor allem das konventionelle Schriftdolmetschen sei physisch enorm fordernd.