Ich bin seit fünf Jahren bei meinem Arbeitgeber befristet beschäftigt. Mein befristeter Arbeitsvertrag läuft Ende Oktober aus. Nun soll ich den vierten befristeten Vertrag unterschreiben. Ich habe aber gelesen, dass nur drei Befristungen erlaubt sind. Ist das richtig?, fragt Jakob Wagner.

Sehr geehrter Herr Wagner,

Fälle von jahrelangen Kettenbefristungen lösen bei Experten immer wieder großes Erstaunen aus, sind sie doch in Deutschland nicht wirklich beliebt und meist dann auch unwirksam. Solch ein extremer Fall geisterte vor einiger Zeit durch die Presse: Eine Postbotin aus Mecklenburg-Vorpommern hatte in 17 Jahren von ihrem Arbeitgeber, der Deutschen Post AG, 88 Zeitverträge erhalten. Als die ihr kündigten, ging die Postbotin vor das Arbeitsgericht und erzwang eine Festanstellung.

Der Grund: Solche Kettenbefristungen widersprechen dem deutschen Arbeitsrecht und sind somit unwirksam.

Die Folge: Der Mitarbeiter ist trotz der befristeten Arbeitsverträge unbefristet angestellt und hat dementsprechend die gleichen Rechte und Pflichten wie unbefristet angestellte Mitarbeiter auch. Der Gesetzgeber unterscheidet bei Befristungen allerdings zwischen sachgrundlosen Befristungen und solchen mit sachlichem Grund: Eine sachgrundlose Befristungen darf generell nicht länger als zwei Jahre andauern und innerhalb dieses Zeitraums maximal drei Mal verlängert werden. Eine Befristung mit sachlichem Grund ist nicht an einen Zeitraum, sondern an einen konkreten Grund gebunden (§ 14 Absatz 1 Teilzeit- und Befristungsgesetz).

Sie kommen meist zum Einsatz, wenn ein Arbeitgeber eine Stelle vorübergehend besetzen möchte (etwa für eine Elternzeit-Vertretung). Immer öfter setzen Unternehmen Befristungen mit sachlichem Grund auch ein, um Berufsanfänger über einen längeren Zeitraum (also über die sechsmonatige Probezeit hinaus) prüfen zu können (§ 14 Absatz 1 Nummer 5 Teilzeit- und Befristungsgesetz).

Für Arbeitgeber liegen die Vorteile von Befristungen auf der Hand. Sie können flexibel reagieren, ohne den Kündigungsschutz beachten zu müssen. Das befristete Arbeitsverhältnis läuft einfach aus. Sie missbrauchen diese allerdings, wenn sie für ein und dieselbe Position Kettenarbeitsverträge schließen und dem Mitarbeiter so seinen langfristigen Anspruch auf den Kündigungsschutz nehmen. Sicher auch ein Grund, warum Arbeitsgerichte solche Arbeitsverträge immer strenger einer Kontrolle unterziehen und bei Missbrauch zugunsten des Mitarbeiters entscheiden. Wichtig ist noch zu wissen, dass eine sogenannte Entfristungsklage innerhalb von drei Wochen nach dem Befristungsende erhoben werden muss.

Ihr Ulf Weigelt