Ali Mahlodji brach ein Jahr vor dem Abitur die Schule ab. Mit gut 40 verschiedenen Jobs hielt er sich in den folgenden Jahren über Wasser. Dann machte er doch noch seinen Schulabschluss, studierte und machte Karriere in einem Unternehmen. Aber irgendwann reichte es ihm – er kündigte seine Führungsposition und gründete 2011 sein eigenes Unternehmen: Whatchado, eine Videoplattform, die Nutzern verschiedene Berufsbilder vorstellt und sie mittels Job-Matching bei der Berufswahl unterstützt. 

Mittlerweile ist Whatchado mehrfach ausgezeichnet worden, auch in Deutschland vertreten und Mahlodji EU-Jugendbotschafter. Vom Schulabbrecher zum Überfliegerunternehmer – ist das ein Modell zum Nachmachen? Tatsächlich war Mahlodji kein Ungelernter und hatte den Makel seiner Jugend längst abgelegt, den konventionellen Bildungsweg absolviert. Laut DHIK werden unter den Ungelernten nur etwa sechs Prozent Unternehmer. Bei Absolventen einer Ausbildung liegt die Selbstständigenquote bei zehn Prozent. Und bei den Akademikern wagt immerhin jeder fünfte den Schritt in die Selbstständigkeit, sagt Marc Evers, Leiter des Referats Existenzgründung der DIHK.   

Evers ist davon überzeugt, dass jeder in der Bundesrepublik die Chance hat, erfolgreicher Unternehmer zu werden: "Am wichtigsten ist die Geschäftsidee. Wer unternehmerisches Fingerspitzengefühl und einen Riecher für das richtige Angebot zur richtigen Zeit mitbringt, der kann es schaffen, ob Tellerwäscher oder Hochschulprofessor", sagt der Gründungsexperte.

Eine Idee allein garantiert jedoch noch keinen Erfolg. Für viele Gründungen braucht es Startkapitel. Hier tut sich eine nächste Hürde auf. Gründen mit schmalem Geldbeutel – geht  das?

Wer nicht auf Investoren oder Kredite zurückgreifen will, dem bleiben viele Möglichkeiten, sich im Dienstleistungsbereich selbstständig zu machen. "Auch im Handel gibt es Möglichkeiten, etwa im spezialisierten Einzelhandel. Viele ehemals Arbeitslose machen sich in diesen Branchen selbstständig", sagt Evers.  

Prädestiniert für Gründungen ohne große Investitionen ist die IT-Branche. Martin Glanert hat sich bereits neben seinem Studium der Psychologie vom Laptop aus selbstständig gemacht, als Online-Marketing-Spezialist. "Mein Wissen habe ich mit jedem Auftrag erweitert. Dadurch hat zwar die Bearbeitung teilweise länger gedauert, aber diese Investition hat sich gelohnt." 2010 nach dem Ende seines Studiums wurde sein Unternehmen Serious Marketing zum Vollzeitjob. Dass er von Beginn an von seiner Selbstständigkeit leben konnte, verdankt er seinem unternehmerischen Spürsinn, nicht seiner Finanzkraft. "Ich hatte eine Marktlücke entdeckt. Ich arbeitete als Trainer für eine Präsentationssoftware, die in Deutschland noch wenig verbreitet war, gab Workshops und Seminare", erzählt er. Dadurch ergaben sich Kontakte zu Unternehmen, die ihn für weitere Aufträge buchten oder ihn weiterempfahlen. Gleichzeitig verbesserte und erweiterte er kontinuierlich seine Dienstleistungen. Rückblickend seien die Kontakte sogar entscheidender gewesen als Kapital, sagt Glanert.

DIHK-Gründungsexperte Evers ist davon überzeugt, dass Kleinunternehmen wie die von Glanert immer bedeutender für den Mittelstand werden. "Viele Großunternehmen lagern Funktionsbereiche aus. Auch bei persönlichen Dienstleistungen kann viel mit kleinen Unternehmen umgesetzt werden. Zudem lässt die demografische Entwicklung die Nachfrage nach vielen Angeboten steigen, wie etwa Gesundheitsdienstleistungen oder Services für ältere Menschen."

Gründer ab 40 Jahren sind oft erfolgreicher

Ältere Menschen sind nicht nur eine zukunftsträchtige Zielgruppe für Unternehmer, sie sind auch selbst immer häufiger genau das selbst – Unternehmer. Von 2007 bis 2012 stieg die Zahl der über 45-jährigen Gründer von rund 23 auf 30 Prozent an. Nach Einschätzung des Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft wird sich diese Entwicklung fortsetzen. Höheres Alter muss als Gründer kein Handicap sein. Ältere profitieren von ihrer Berufs- und Lebenserfahrung.   

Karola Haake etwa hat sich mit 58 Jahren selbstständig gemacht. Ihr alter Arbeitgeber konnte ihr nach einer Umstrukturierung nur eine Position mit viel Reizeit anbieten. Das kam für Haake nicht mehr infrage. Aber ihre Chancen, in ihrem Alter bei einem anderen Arbeitgeber unterzukommen, standen schlecht. Also beschloss sie, ihren gelernten Beruf  als Perückenberaterin selbstständig auszuüben. Seit mittlerweile vier Jahren berät sie Frauen, oft an Krebs erkrankte, die richtige Perücke zu finden. Sie hilft beim passenden Make-up und bei Anträgen für die Krankenkasse. Ganz bewusst hat sie keine Kredite aufgenommen oder Rücklagen angebrochen. "So habe ich zwar wenig Geld für Werbung und alles geht etwas langsamer voran", sagt die mittlerweile 62-Jährige. Aber sie weiß ihre Altersvorsorge in Sicherheit.

Noch kann sie nicht von ihrer Selbstständigkeit allein leben. Aber das ist für Haake nicht das Wichtigste: "Ich habe tolle Begegnungen, kann mir das ein oder andere außer der Reihe gönnen und sitze nicht den ganzen Tag in meiner Wohnung." Ans Aufhören denkt sie nicht, plant stattdessen Werbeaktionen rund um ihre neue Website. "Wenn die Rente kommt, mache ich trotzdem weiter. Ich arbeite gerne."

Fehlt das eigene Kapital, haben es Ältere als Gründer oft schwerer als jüngere: Viele Banken sind skeptisch, ob die geschäftsaktive Zeit noch ausreicht, um mögliche Kredite und Zinsen zu tilgen. Grundsätzlich steht das Alter aber in keinem Zusammenhang zum Unternehmenserfolg: Statistiken zufolge sind fünf Jahre nach Gründung noch 50 Prozent der Unternehmen am Markt. Bei jüngeren wie älteren Gründern.