Untersuchungen zeigen: Sind die Mitarbeiter emotional ausgeglichen, dann arbeiten sie in der Regel auch gut.

ZEIT ONLINE: Frau Venz, welchen Einfluss haben Gefühle auf die Arbeit?

Laura Venz: Einen großen. Unsere Gefühle beeinflussen alles, was wir leisten können und wollen. Wer glücklich ist, der ist in der Regel auch leistungsfähig. Wer hingegen traurig ist und stark belastet, der bringt oft geringere Leistungen. Wobei durchaus auch negative Gefühle kurzfristig positive Effekte haben können – Wut etwa kann produktiv und durchaus kreativ machen. Als Arbeitspsychologen interessiert uns vor allem die Frage, wovon "gute" Gefühle bei der Arbeit abhängen und welche Faktoren die Gefühle bei der Arbeit beeinflussen.

ZEIT ONLINE: Mitarbeiter bringen ihre Gefühle ja oft mit zum Arbeitsplatz. Darauf hat ein Unternehmen keinen Einfluss.

Venz: Das stimmt. Und dennoch wird ein gewisser Rahmen auch durch die Arbeit geprägt. Die Forschung hat sich bislang sehr stark auf soziale Berufe konzentriert: etwa auf die Pflege. Was macht es mit einem Menschen, der eigentlich einen emotionalen guten Zustand hat, wenn er Angehörigen die Todesnachricht eines Patienten überbringen muss? Seit etwa zehn Jahren spielen Gefühle bei der Arbeit über die Branchen hinweg eine Rolle.

ZEIT ONLINE: Stichwort empathische Chefs: Ist es nicht zu viel verlangt, wenn Unternehmen jetzt auch noch die Gefühle der Mitarbeiter steuern wollen?

Venz: Wenn es darauf abzielt, dass Mitarbeiter stets gut gelaunt sein sollen, dann ist das sicher der falsche Ansatz. Aber das ist auch gar nicht möglich. Vielmehr geht es um die Frage, wie gesunde – eben auch emotional gesunde – Arbeitsbedingungen geschaffen werden können. Und das ist angesichts der Burn-out-Debatte eine vernünftige Frage. Denn positive Gefühle sind beispielsweise besser möglich, wenn Arbeitnehmer genügend Handlungsspielraum haben, wenn sie Unterstützung bekommen, in einem angenehmen Betriebsklima arbeiten, das geprägt ist von Wertschätzung. Wenn es Feedback gibt und wenn es möglich ist, sich über Erfolge auch zu freuen. Wenn es nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig zu tun gibt. Und wenn die Identifikation mit dem Arbeitgeber vorhanden ist.

ZEIT ONLINE: Erfordert das nicht eine völlig neue Qualität von Führung?

Venz: Da muss man realistisch sein – alles hat Grenzen. Eine Personalführung, die darauf abzielt, die Gefühle der Teammitglieder positiv zu beeinflussen, müsste ja tagesspezifisch angepasst werden, weil jeder Mensch jeden Tag anders fühlt. Das halte ich für zu viel verlangt. Aber selbstverständlich sollten sich Führungskräfte darüber im Klaren sein, dass die Arbeitsbedingungen die Gefühlswelt der Mitarbeiter beeinflussen. Cholerisches Verhalten etwa, fehlendes Feedback – wer die Zusammenhänge kennt und versteht, kann auch daran arbeiten, ein positives Betriebsklima herzustellen, in dem die Mitarbeiter sich positiv entfalten können. Das ist am Ende auch gut für den Unternehmenserfolg. 

ZEIT ONLINE: Lässt sich messen, wie sich positive Gefühle bei der Arbeit auswirken?

Venz: Mir sind keine Studien dazu bekannt, die beziffern, wie Gefühle harte Kennzahlen wie Unternehmensgewinne oder Ähnliches beeinflussen. Es ist ja auch ein hochkomplexes Zusammenspiel, denn Emotionen werden ja durch eine Vielzahl von Ereignissen und Faktoren beeinflusst. Es lässt sich aber durchaus feststellen, dass in Teams und in Unternehmen, in denen sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und in einem angenehmen Klima arbeiten, die Fluktuation und auch die Krankenstände geringer sind. Andersherum sinkt die Leistung der Mitarbeiter in Unternehmen, in denen viele innerlich bereits gekündigt haben.

ZEIT ONLINE: Was beeinflusst gute Gefühle bei der Arbeit noch?

Venz: Die individuelle Fähigkeit, auch mit negativen Emotionen konstruktiv umzugehen. Wir wollen in einer Studie herausfinden, welche Strategien Arbeitnehmer dafür entwickelt haben und welche individuellen Stärken hilfreich sind. Derzeit suchen wir noch Teilnehmer, die Lust haben, an der Studie teilzunehmen.

ZEIT ONLINE: Wer kann mitmachen?

Venz: Im Prinzip jeder, der abhängig beschäftigt und einer regelmäßigen Arbeit nachgeht. Ob Vollzeit oder Teilzeit, das ist egal. Auch die Branche oder der Bildungsstand spielen keine Rolle. Die Probanden bekommen eine Arbeitswoche lang täglich vormittags und nachmittags zwei Online-Fragebögen und sollen ein Tagebuch darüber führen, was ihre Stimmung und ihre Gefühle bei der Arbeit beeinflusst und wie sie damit umgehen. Vorteilhaft ist, wenn die Probanden bei der Arbeit oder in der Pause einen Online-Zugang haben. Unter den Teilnehmern verlosen wir als Dankeschön Einkaufsgutscheine. Und natürlich gibt es auch die Studienergebnisse.

ZEIT ONLINE: Welche Ergebnisse versprechen Sie sich?

Venz: Wir hoffen, dass uns die Studie Auskunft darüber gibt, welche Faktoren Gefühle bei der Arbeit beeinflussen und ob wir Verhaltensstrategien ableiten können, mit denen man in stressigen oder ärgerlichen Situationen seine Emotionen nicht negativ beeinflussen lässt.

Interessierte, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich für den Versuch hier anmelden.