Ich wechsle zum Jahresende den Arbeitgeber. Mein Chef hat mich aufgefordert, ihm einen Formulierungsvorschlag für mein Arbeitszeugnis zu machen.

Nun hat ja das Bundesarbeitsgericht gerade darüber verhandelt, ob die Note 2 oder 3 als durchschnittlich in der Zeugnissprache angesehen wird. Was sollte ich beim Formulierungsvorschlag beachten? Und habe ich ein Recht auf eine Bewertung, die mindestens der Note 2 entspricht?,  fragt Theresa Müller.

Sehr geehrte Frau Müller,

das aktuelle Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) hat gezeigt, dass es für Arbeitnehmer auch in Zukunft nicht einfach wird, sich bessere Noten für ihr Arbeitszeugnis zu erstreiten. Das heißt, auch zukünftig bedeutet die Formulierung "zu unserer vollen Zufriedenheit" eine durchschnittliche Leistung – also die Note 3. Wer sich die Beurteilung "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" im Arbeitszeugnis wünscht, muss auch in Zukunft konkrete Gründe benennen können, die diese Beurteilung rechtfertigen, oder sich mit dem Arbeitgeber vorab einigen.

Um den weiteren beruflichen Weg eines Mitarbeiters nicht zu erschweren, sollen Arbeitszeugnisse aber in der Regel den Mitarbeiter positiv darstellen und ein Gesamtbild von der Persönlichkeit des Mitarbeiters vermitteln. Arbeitszeugnisse sollen "wohlwollend" sein.

Dabei sind Arbeitgeber in ihren Formulierungen und in der Wahl der Schwerpunkte für die Beurteilung frei, müssen aber stets bei den inhaltlichen Angaben bei der Wahrheit bleiben. Bei der Bewertung von Leistung und dem Verhalten kommt es dennoch immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitern – wie das aktuelle Urteil des BAG zeigt. Drei Instanzen haben sich also bislang mit dem Arbeitszeugnis befasst.

Die wichtigste Aussage in einem Arbeitszeugnis ist die Gesamtbeurteilung, die sich wie folgt aufschlüsselt: "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" (sehr gut), "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (gut), "zu unserer vollen Zufriedenheit" (befriedigend), "zu unserer Zufriedenheit" (ausreichend), "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" (mangelhaft) und "bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen" (ungenügend).

Bei der Leistungsbewertung sollten Mitarbeiter generell aufmerksam sein, denn hier bedienen sich Unternehmen oft einer speziellen "Geheimsprache". Was gut klingt, muss noch lange nicht positiv sein. Steht da beispielsweise, "Seine umfangreiche Bildung machte ihn stets zu einem gesuchten Gesprächspartner", sagt der Chef damit: "Er war geschwätzig und führte lange Privatgespräche."

Entdeckt ein Mitarbeiter derartige Fallen, hat er einen Anspruch auf Berichtigung des Arbeitszeugnisses. Dazu braucht er "nur" Kontakt zum (ehemaligen) Arbeitgeber aufnehmen und seine Änderungswünsche kommunizieren. Meist sind Arbeitgeber hier kompromissbereit – vorausgesetzt, der Mitarbeiter äußert nicht überzogene Vorstellungen.

Weigert sich ein Arbeitgeber, eine Korrektur durchzuführen, kann der betroffene Mitarbeiter zunächst per Anwaltsschreiben noch einmal den Berichtigungsanspruch einfordern. Ist der Arbeitgeber dann immer noch nicht bereit, muss gemeinsam mit dem Anwalt überlegt werden, ob eine Zeugnisberichtigungsklage sinnvoll ist.

Ihr Ulf Weigelt