Wie gut, dass das Sprichwort: "Einen alten Baum verpflanzt man nicht" ein Ammenmärchen ist. Ansonsten hätte Katharina von Ehren sich einen anderen Beruf suchen müssen. Denn die Tree Brokerinhandelt mit ausgewachsenen Pflanzen.

Von Ehren ist Deutschlands erste Baummaklerin. Im Auftrag von Gartenbaufirmen und Landschaftsarchitekten  sucht sie mit ihrem Team nach den passenden Gehölzen. Meist soll im Nu eine Brachfläche in einen Park verwandelt werden, ein repräsentativer Neubau einen entsprechenden Garten erhalten oder ein bestehender Garten mit besonderen Pflanzen effektvoller gestaltet werden. "Das Bewusstsein hat sich geändert. Heute möchte kaum noch jemand Jahrzehnte darauf warten, bis der angelegte Garten in voller Pracht erscheint oder die Obstbäume endlich Früchte tragen", sagt von Ehren.

Um die richtigen Exemplare vermitteln zu können, durchforstet von Ehren Baumschulen unter anderem in den Niederlanden, Belgien, Dänemark, Frankreich und natürlich Deutschland. Oder ihre eigene Bilder-Datenbank, in der sie mehrere Zehntausend Pflanzen, Sträucher und Bäume eingetragen hat. "Da Pflanzen sich ständig verändern oder auch verkauft werden, müssen wir unsere Datenbank kontinuierlich anpassen", erzählt die 47-Jährige. Und das geht nicht allein am Computer: Um die Daten zu aktualisieren, muss von Ehren auch in der Realität den Bestand auf Größe und Aussehen überprüfen.

Die Leidenschaft für ihren Beruf wurde der Norddeutschen in die Wiege gelegt. Als Sprössling einer der ältesten deutschen Baumschulfamilien schlägt Katharina von Ehren den Weg ihrer Familie ein: Nach der Ausbildung zur Baumschulgärtnerin studiert sie Gartenbau und lernt bei einem Auslandssemester in den USA den Beruf des Tree Brokers kennen. An der Ostküste arbeitet sie mehrere Jahre und beliefert etwa den Battery Park in Manhattan mit Bäumen oder auch die Gärten von Bruce Springsteen und John Bon Jovie.

Nach ihrer Rückkehr steigt sie für einige Jahre in den elterlichen Betrieb ein. Als der Wunsch, was Eigenes auf die Beine zu stellen, immer stärker wird, entscheidet sich von Ehren 2011 die erste deutsche Tree Brokerin zu werden.

Mit Erfolg, denn seitdem berät die Mutter von drei Kindern Fachfirmen und Landschaftsarchitekten, sucht Pflanzen und organisiert den Transport, der es in sich haben kann. Denn begrenzt ist der Verkauf in der Regel nicht etwa durch das Alter der Bäume oder den Preis, sondern vielmehr durch ihre Größe. So kann etwa die Brückenhöhe auf einer Route den Transport stoppen. Tieflader, die solche Giganten transportieren, dürfen die Gesamthöhe von vier Metern nicht überschreiten. Auch deshalb werden Äste gekordelt und der Baum anschließend verschnürt, damit die Tonnenfracht transportfähig ist.

Verantwortlich für die Transportroute

Von Ehren hilft auch bei einem anderen Hindernis. Wer eine große Flächen bestücken möchte, findet in der Regel nicht in einer einzigen Baumschule alle Pflanzen, sondern muss mehrere Anbieter abfahren. Die Baummaklerin weiß aufgrund ihrer Kontakte und einer umfangreichen Datenbank, wo sie welche Pflanzen zu den besten Konditionen bekommen kann – und kauft so für ihre Kunden die gesamte Bestellung zusammen.

Die Interessen der Kunden sind dabei auch Trends unterworfen. "Alle sieben bis zehn Jahre ändern sich die Wünsche. Aktuell sind Obstbäume begehrt, die bereits im Jahr der Pflanzung Früchte tragen. Klassiker sind formierte Gehölze und fertig geschnittene Hecken, die gleich als Sichtschutz dienen", erzählt sie.

Während der Beruf des Tree Brokers in den USA seit den sechziger Jahren ausgeübt wird, ist er in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Eine eigene Ausbildung gibt es hierzulande nicht. "Wer als Baummakler tätig sein möchte, sollte mindestens eine gärtnerische Ausbildung mitbringen, am besten noch einen Meister sowie jahrelange Berufserfahrungen", rät von Ehren.

Der Weg lohnt sich. Mittlerweile beschäftigt von Ehren fünf Mitarbeiter. Nach wie vor findet sie ihren Joballtag abwechslungsreich. Denn neben der klassischen Büroarbeit mit Erstellen von Kalkulationen oder Datenbankpflege ist von Ehren viel in Baumschulen, auf Baustellen oder bei Kunden europaweit unterwegs. "Den klassischen Joballtag gibt es bei mir zum Glück nicht."