Rauschende Aftershow-Partys, auf Du und Du mit den ganz großen Stars der Musikszene – viele Menschen haben eine sehr romantische Vorstellung vom Arbeitsalltag eines Roadies. Dieses Bild stimmt jedoch nur bedingt.

"Streng genommen gibt es den Beruf des Roadies in Deutschland nicht. Bei uns wird der Beruf als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bezeichnet, oft aber eben gemeinhin auch immer noch als Roadie", sagt Michael Molt, Geschäftsführer eines auf Veranstaltungslogistik spezialisierten Unternehmens. Weil Roadies viel unterwegs sind, so Molt weiter, habe sich die Bezeichnung Roadie, abgeleitet vom englischen Begriff Road, also Straße, für den Beruf etabliert.

Zu den Hauptaufgaben gehören der Aufbau der Licht- und Tontechnik der Künstler am Veranstaltungsort eines Konzertes und die Betreuung der Backline. So werden Instrumente und Verstärker der Künstler bezeichnet. Dazu gehört der Auf- und Abbau der Instrumente, etwa eines Schlagzeuges sowie das Stimmen und das Anschließen der Gitarren und Keyboards an die elektrischen Verstärker, das Verstauen in den Transportbehältern und verladen auf Lkws. Oft werden dazu zusätzlich sogenannte Stagehands engagiert. Als Stagehands werden speziell am Veranstaltungsort angeworbenen Hilfskräften bezeichnet, die den Roadies zur Hand gehen oder das Ein- und Ausladen der Ausrüstung komplett übernehmen.

"Einige Roadies gehen auch heute noch mit dem Künstler auf Tournee und reisen oft monate- oder sogar jahrelang mit ihm von Stadt zu Stadt", sagt Molt. Die Regel sei dies jedoch nicht, es gebe auch viele Veranstaltungstechniker, die jeweils nur vor Ort im Einsatz sind.

Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik wurde in Deutschland erst Ende der 1990er Jahren zu einem offiziellen Ausbildungsberuf. Früher waren oft Quereinsteiger, etwa aus dem Elektrobereich oder Musiker mit Sachverstand für Licht- und Tonanlagen als Roadie unterwegs.

Die dreijährige Ausbildung ist in zwei Schwerpunkte unterteilt: Aufbau und Durchführung und Aufbau und Organisation. Der Bereich Aufbau und Organisation beinhaltet insbesondere den Auf- und Abbau sowie die Bedienung der technischen Ausrüstung. Neben Mikrofonen und Verstärkern gehören dazu auch Mischpulte, Scheinwerfer und sonstige, etwa für eine Bühnenshow benötigte Anlagen. Der Schwerpunkt Aufbau und Organisation hingegen beschäftigt sich mit dem Entwickeln von Konzepten für Konzerte, Messen und Kongresse. Nach der Ausbildung und mit einigen Jahren Erfahrung ist zusätzlich eine Weiterbildung zum Meister möglich.

Handwerkliches Geschick, ein gutes technisches Verständnis, gute Kenntnisse der Mathematik und Physik sowie ein hohes Maß an Sozialkompetenz sind für die Arbeit vonnöten. Kaum geregelte Arbeitszeiten sowie schwere körperliche Arbeit sind in dem Beruf die Regel.

"Oft wird schon morgens mit dem Aufbau der technischen Anlagen begonnen, nachmittags erfolgt der Soundcheck, ehe die eigentliche Show gegen 20 Uhr beginnt und bis etwa 23 Uhr dauert. Danach muss dann noch etwa zwei Stunden abgebaut werden. Das geht schon an die Substanz", sagt Molt. Hinzu komme, wenn der Roadie zusammen mit dem Künstler auf Reisen gehe, eine oft wochenlange Trennung von der Familie.

Diesen negativen Seiten steht jedoch auch eine Vielzahl positiver Aspekte gegenüber.

"Als Fachkraft für Veranstaltungstechnik bekommt man viel zu sehen und lernt viele Künstler persönlich und darüber hinaus noch viele andere interessante Menschen kennen. Die Branche ist relativ klein, daher geht es oft noch sehr familiär zu", sagt Molt. Und wenn man letztlich nach einer tollen Show weiß, dass man seinen Teil dazu beigetragen hat, den Zuschauern ein paar schöne Stunden zu bereiten, dann ist das schon auch eine Genugtuung."

  • Gehalt: 1.800 bis 2.200 Euro Brutto/Monat
  • Arbeitszeit: variiert stark, Arbeitstage von 12 und mehr Stunden sind keine Seltenheit
  • Ausbildung: dreijährige, duale Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik