Morgens ein 17-jähriger Schüler, der Leistungssportler werden möchte, am Nachmittag ein 72-Jähriger, der körperlich fit bleiben will: Die Kunden von Jürgen Pagel sind verschieden, ebenso wie ihre Beweggründe, sich von ihm coachen zu lassen. Pagel arbeitet als Fitnesstrainer und steht dem Bundesverband Personal Trainer vor. "Jeder meiner Kunden bekommt ein individuelles Trainingsprogramm", sagt er. 

Einige stellen die körperliche Fitness in den Vordergrund, weil sie diese über längere Zeit vernachlässigt haben, andere trainieren für ein sportliches Ziel und wieder andere haben schlicht keine Lust, ihre Übungen alleine zu machen. Viele Kunden wollen abnehmen und wünschen sich dabei Begleitung. "Ich habe auch Kunden, die wollen den Kopf freibekommen und unter Anleitung Stress abbauen. Und es gibt welche, die wollen ihr Selbstbewusstsein stärken. Auch dafür ist körperliches Training gut", sagt Pagel.

Ganz gleich, welches persönliche Motiv seine Kunden haben: Für alle ist wichtig, dass sich der Trainer ausschließlich um sie allein kümmert.

Zu Beginn erkundigt sich der Personal Trainer nach gesundheitlichen Einschränkungen, misst den Blutdruck und ermittelt den Körperfettanteil und das Gewicht. Auch den zeitlichen Umfang des Trainings bespricht er mit seinen Kunden. Sollen die Übungen morgens, nachmittags oder in den Abendstunden stattfinden? Und wie oft in der Woche?

Anhand der Vorgaben erstellt er einen individuellen Trainingsplan. Damit er die Motivation mit jeder Trainingsstunde aufrechterhalten kann, können Art und Umfang der einzelnen Übungen pro Stunde  variieren. "Ein seriöser Personal Trainer analysiert vor jeder Einheit den Trainingsstand und baut immer wieder neue Übungen in den Plan ein", sagt Pagel.

Korrekte Anleitung ist wichtig

Der Trainer leitet seine Kunden an, zeigt die einzelnen Abläufe und gibt bei Problemen Hilfestellungen. "Wir machen aber nicht jede Übung vollständig mit. Bei fünf bis sechs Kunden pro Tag würde das auf die Dauer zu sehr an die Substanz gehen." Am Ende der Stunde reflektiert er mit dem Kunden den Fortschritt. Was läuft gut, was nicht? Wo gibt es Optimierungsmöglichkeiten? Die kurze Dokumentation des Trainingsverlaufs gehört daher dazu.

Offenheit, Kreativität bei der Wahl der Übungen und Verschwiegenheit sind wichtige Eigenschaften, die ein Personal Trainer für seine Arbeit mitbringen sollte. Ganz wichtig ist zudem Einfühlungsvermögen. "Wir müssen behutsam auf unsere Kunden eingehen können", sagt Pagel.

Der Beruf stellt kein anerkanntes und geschütztes Berufsbild dar. Eine einheitlich geregelte und standardisierte Ausbildung gibt es nicht. Eine Ausbildung ist per Fort- oder Weiterbildung an privaten Institutionen möglich, der zeitliche Rahmen der Programme variiert und dauert zwischen einigen Tagen bis mehreren Wochen.

Auch die Inhalte  variieren. Auf jeden Fall sollte auch umfangreiches Wissen über die Anatomie des Menschen beigebracht werden. Nicht fehlen dürfen außerdem Trainingslehre und Bewegungskunde. Auch im Haftungs- und Versicherungsrecht müssen sich angehende Personal Trainer auskennen. Und grundsätzlich über gesunde Ernährung Bescheid wissen. "Wir sind zwar ohne entsprechende Weiterbildung keine Ernährungsberater, aber Grundsätzliches muss man als Personal Trainer schon wissen", sagt Pagel.

Die Arbeit kann sowohl auf freiberuflicher Basis als auch im Angestelltenverhältnis, etwa in einem Fitnessstudio, ausgeübt werden. Während sich für angestellte Personal Trainer die Arbeitszeiten nach den Öffnungszeiten des Studios richten, haben Selbständige einen flexiblen Arbeitstag, der in der Regel dem Terminplan der Kunden angepasst ist. "Es kann sein, dass der Tag morgen um 6.30 Uhr beginnt und abends erst gegen 21 Uhr endet", sagt Pagel.

Für freiberufliche Personal Trainer ist die zeitliche Flexibilität oft mit viel Fahrerei verbunden. Ein weiteres Risiko ist außerdem der Krankheits- und Verletzungsfall. Selbständige sollten daher gut abgesichert sein. Seinen Job würde Pagel trotzdem nicht anders wählen. "Ich lerne viele, interessante Menschen kennen, mit denen ich direkt zusammenarbeite. Das vorgegebene Ziel dann gemeinsam zu erreichen, ist meine Antriebsfeder."

  • Gehalt: Das Gehalt variiert stark und ist abhängig von der Erfahrung sowie der Region, in dem der Personal Trainer tätig ist. Für angestellte Personal Trainer liegt der Monatsverdienst zwischen 1.300 und 2.100 Euro brutto. Personal Trainer auf freiberuflicher Basis verlangen für eine Trainingsstunde zwischen 50 und 120 Euro.
  • Ausbildung: Die Ausbildung erfolgt per Fort- oder Weiterbildung und ist nicht staatlich geregelt.
  • Arbeitszeit: Angestellte Personal Trainer arbeiten etwa 40 Stunden in der Woche. Für Freiberufler hängt die Wochenstundenzahl von der Auftragslage ab.