Kahle Decken oder triste Fußböden sind ihre Leinwände: Raumausstatter verwandeln karge Räume in gemütliche Wohnstätten. In den sechziger Jahren entstand die Tätigkeit aus dem Beruf des Tapezierers. "Wir haben uns aber nicht ausschließlich auf die Wandgestaltung spezialisiert", sagt Harald Gerjets. Er ist Präsident vom Zentralverband Raum und Ausstattung.

Die Aufgaben reichen vom Tapezieren und Wändebespannen, der Dekoration von Wänden und Fenstern mit Gardinen und Vorhängen zum Teppichboden- oder Parkettverlegen. Auch Polstermöbel können Raumausstatter bespannen und sie wählen nicht nur den passenden Sicht- und Lichtschutz aus, sie installieren auch Markisen, Jalousien oder Rollos. Im Prinzip sind Raumaustatter die perfekten Experten, will man seine Wohnung renovieren, denn sie können von fast jedem Handwerk ein bisschen.

"Wir brauchen umfangreiches Wissen, denn das Aufgabengebiet umfasst viele Tätigkeiten aus anderen Berufen", sagt Gerjets. So muss er etwa den Fußboden spachteln und grundieren, bevor er Parkett oder einen Teppichboden verlegen kann. Nicht anders ist es bei Wand- oder Deckenverkleidungen: Auch hier muss zuvor die Beschaffenheit überprüft und gegebenenfalls ausgebessert und vorbereitet werden.

Bevor es jedoch an die eigentliche Verschönerung geht, sprechen die Raumausstatter mit dem Kunden. Was sind seine Vorstellungen: Welche Farbe sollen die Wände bekommen, welcher Bodenbelag wird bevorzugt? Und passt das überhaupt zusammen? 

Die Beratung steht dabei im Vordergrund. Und die findet nicht beim Raumausstatter, sondern immer auch vor Ort beim Kunden statt. Denn es kommt auf die Farbgestaltung in der Wohnung an und auch auf die Lichtverhältnisse. "Nicht alles, was sich der Kunde wünscht, ist auch immer praktikabel und sinnvoll", sagt Gerjets.

Zur besseren Vorstellung erstellen Raumausstatter Collagen und Skizzen, sie arbeiten mit Produktfotos und Katalogen. Eine wichtige Rolle bei der Auswahl der Materialien spielt auch die Haptik. "Unser Motto ist: Nicht nur gucken, sondern anfassen. Die Kunden möchten meistens wissen, wie sich Vorhänge, Teppiche oder Möbelstoffe anfühlen", sagt Gerjets. Produktmuster helfen hier, ein Gefühl für die unterschiedlichen Materialien zu bekommen. Welche Qualität haben die verwendeten Materialien? Wie ist der Glanz vom Stoff, wie die Oberfläche und wie passt das zum Rest der Innenausstattung?

Für die Arbeit sollte man Spaß am Gestalten haben und viel Kreativität mitbringen. "Der Beruf verlangt auch künstlerische Fähigkeiten", sagt Gerjets. Manuelles Geschick und handwerkliches Talent, ein Auge für Farben und Formen sind grundlegend. Wichtig sind zudem Verantwortungsbewusstsein, Präzision sowie körperliche Belastbarkeit.

13 bis 16 Euro brutto die Stunde

Die Ausbildung zum Raumausstatter oder Raumausstatterin ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Innerhalb der Ausbildung lernen die Azubis den Umgang mit Werkzeugen und Materialien und das Wichtigste aus den verschiedenen Handwerksberufen. Die Ausbildung wird mit einer Gesellenprüfung abgeschlossen. Hier können sich die Auszubildenden auf einen Prüfungsschwerpunkt festlegen. Zur Wahl stehen die Fachgebiete Dekoration, Boden, Wand oder Polstern.

"Noch vor einigen Jahren haben überwiegend männliche Jugendliche den Beruf ergriffen. Das hat sich mittlerweile völlig verändert. Heute wollen fast nur noch junge Frauen den Beruf ergreifen. Junge Männer sind deshalb sehr gefragt", sagt Gerjets. Die Jobchance stehen sowohl für Frauen als auch Männer sehr gut.

Neben der bisweilen körperlich anspruchsvollen Arbeit nennt Gerjets als Schattenseiten des Berufes die mitunter nicht leistungsgerechte Bezahlung innerhalb der Branche. Zwischen 13 und 16 Euro verdienen Raumaustatter im Schnitt. "Aber die Entlohnung variiert regional", sagt der Verbandspräsident.

Trotzdem würde er sich immer wieder für seinen Beruf entscheiden. "Wir sind viel unterwegs, jeder neue Auftrag ist eine Herausforderung. Und die Freude im Gesicht des Kunden über das Ergebnis ist immer wieder ein tolles Erlebnis."

  • Gehalt: variiert regional, zwischen 13 und 16 Euro brutto pro Stunde
  • Ausbildung: duale Ausbildung, Dauer: drei Jahre
  • Arbeitszeiten: 40 Stunden pro Woche