Viele Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten mehr, als ihnen guttut. Grund ist der hohe Druck am Arbeitsplatz, der viele Beschäftigte dazu verleitet, fahrlässig mit ihrer Gesundheit umzugehen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ein Viertel der befragten Vollzeit-Beschäftigen legt demnach ein zu hohes Arbeitstempo vor. Langfristig sei das nicht durchzuhalten, lautet ein Ergebnis der Studie des Gesundheitsmonitors von Bertelsmann-Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK, für die etwa 1.000 Erwerbstätige repräsentativ befragt wurden.

Der hohe Druck am Arbeitsplatz hat Folgen: Knapp ein Fünftel der Befragten stößt nach eigenen Angaben oft an die eigene Leistungsgrenze, 23 Prozent machen keine Pausen. Jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, heißt es in der Studie. Zeit für Pausen und Regeneration seien zu knapp, zudem versuchen viele Beschäftigte, die Leistung durch Nikotin oder Medikamente scheinbar zu steigern.

Als Grund für das selbstgefährdende Verhalten gaben 42 Prozent die permanent wachsenden Anforderungen an. Jeder Dritte weiß demnach nicht mehr, wie er den Ansprüchen gerecht werden soll. Überforderung ist die Folge. Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) fühlt sich hilflos und glaubt, keinen oder nur geringen Einfluss auf ihre Arbeitsmenge zu haben. 

"Unternehmen sollen gesünderes Arbeitsumfeld schaffen"

Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, forderte die Unternehmen auf, etwas gegen den hohen Druck zu tun. "Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen." Auch die Barmer GEK nimmt die Arbeitgeber in die Pflicht. "Wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert", sagte Vorstandsvorsitzender Christoph Straub.

Um das selbstgefährdende Verhalten der Beschäftigten zu reduzieren, schlagen die Autoren der Studie regelmäßig verbindliche und realistische Zielvereinbarungsgespräche mit dem Arbeitgeber vor. Die vereinbarten Ziele müssten innerhalb der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar sein, schrieb Anja Chevalier von der Sporthochschule Köln. Besonders wichtig sei, dass Arbeitnehmer ein Gefühl für die eigenen Grenzen entwickeln, damit sie ihr Leistungspotenzial auch langfristig optimal ausschöpfen könnten, sagte Gert Kaluza vom GMK-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg.

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