Eine wissenschaftliche Karriere funktioniert nur mit Abstrichen im privaten und sozialen Bereich. Das sagt die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard in einem Interview mit der ZEIT. Das müssten Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, verstehen. "Sie können dann nicht auch noch eine hundertprozentig gute Mutter und supergepflegte Ehefrau sein, dazu putzen und kochen", so die Biologin, die 1995 den Nobelpreis für Medizin bekommen hatte. Sie rät jungen Frauen zu couragiertem Auftreten: "Seid nicht so zimperlich. Setzt euch durch. Steht nicht so viel vorm Spiegel!"

Viele Frauen würden die Wissenschaft nicht mit der Besessenheit und dem Ehrgeiz der Männer betreiben. "Wenn man das halbtags macht oder nicht wirklich mit Leidenschaft, dann wird man nicht so erfolgreich", sagte Nüsslein-Volhard. Viele Nachwuchsforscherinnen seien zwar beeindruckende Wissenschaftlerinnen, wollten aber keinen so großen Einflussbereich, weil sie dazu nicht den Ehrgeiz hätten. Als Grund schlussfolgert die Genetikerin, dass Macht bei Frauen nicht besonders gut angesehen sei.

Ganz anders sei das unter männlichen Wissenschaftlern. "Da gibt es kaum einen, der eine Frau hat, die auch berufstätig ist", so Nüsslein-Volhard. "Die sind alle ganz fokussiert auf die Arbeit, oft völlig abgeschottet, denn die Frau kümmert sich ja um Haus, Kinder und Hund."

Das komplette Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe der ZEIT, die Sie ab Donnerstag am Kiosk oder schon ab Mittwochabend online erwerben können.

Von einer Frauenquote im Wissenschaftsbereich hält Nüsslein-Volhard aber nichts: Das Stigma der Quotenfrau "kann auch durch noch so gute Leistungen nicht getilgt werden".

Nüsslein-Volhard ist seit 1985 wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktorin am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. Sie erhielt den Nobelpreis zusammen mit zwei Kollegen für Forschungen zu den grundlegenden genetischen Steuerungsmechanismen der frühen Embryonalentwicklung.