Beinahe seit sie denken können, gibt es Robin Behlau und Mario Kohle im Doppelpack. Aufgewachsen in Strausberg bei Berlin lernten sie sich als Kinder auf der Ersatzbank des Fußballvereins kennen. Später besuchten sie dieselbe Klasse am Gymnasium. Nur die Bundeswehrzeit und das Studium trennten die Freunde. Behlau studierte Immobilienwirtschaft in Berlin und wollte eigentlich Shoppingcenter gestalten, während Kohle ein BWL-Studium an einer privaten Hochschule in der Nähe von Koblenz begann, um Manager zu werden.

Trotz der Entfernung hielt die Freundschaft. Eher beiläufig entwickelten sie 2006 ihre erste gemeinsame Geschäftsidee: "Wir waren in einem Buchladen, wussten aber nicht so genau, was wir kaufen sollten. Da haben wir uns überlegt, eine Buchsuchmaschine zu entwickeln", erzählt Behlau. Der Name: Deinesache.de. "Auf der Seite hat der User Angaben zu seinen Lesevorlieben gemacht, zu seiner Persönlichkeit, und daraufhin die Bücher empfohlen bekommen, die am besten zu ihm passen. Das Gleiche hätte auch bei Reisen und Musik funktioniert", sagt Kohle. Mit der Idee gewannen die beiden sogar einen Businessplan-Wettbewerb. Das bestärkte sie darin, weiterzumachen.

"Parallel haben wir unsere erste Firma gegründet: Blogbuster Limited", erzählt Behlau und muss beim Gedanken daran lachen. "Wir haben in sechs unterschiedlichen Sprachen Blogs für das Spiel World of Warcraft betrieben, ohne dass einer von uns je World of Warcraft gespielt hätte. Die Texte waren so optimiert, dass sie bei Google möglichst weit oben standen. Dazu haben wir Banner geschaltet, auf denen man virtuelles Geld kaufen konnte. So haben wir jeden Monat ein paar Tausend Dollar verdient." Geld, das die angehenden Unternehmer nutzten, um Programmierer und Designer für Deinesache.de zu bezahlen.

Ihr Team wuchs auf sechs Studenten, die aus unterschiedlichen Fachrichtungen kamen und einen Prototyp entwickelten. Doch dann ging es an die Finanzierung. "Die Suche nach einem Investor war deprimierend. Keiner wollte unsere Idee haben", erinnert sich Behlau. Lukasz Gadowski, einer der einflussreichsten deutschen Internetunternehmer – zu seinen Gründungen und Beteiligungen gehören unter anderem Spreadshirt, brands4friends, studiVZ, Lieferheld und Mister Spex – sagte den beiden auf den Kopf zu: "Ich habe noch nie so ein tolles Team wie euch mit so einer beschissenen Idee gesehen." Damit war das Projekt Deinesache.de gestorben.

Eis essen mit einem Millionär

Doch bei Risikokapitalgeber Gadowski hatten Kohle und Behlau ein gutes Gefühl. "Wir mochten uns irgendwie und wollten mit ihm nach der Pleite zu einer neuen Geschäftsidee brainstormen. Also haben wir ihn angerufen und sind, aus heutiger Sicht völlig blauäugig und unprofessionell, mit ihm Eis essen gegangen. Zu dem Zeitpunkt war er 30 und hatte schon mehrere Millionen verdient. Wir waren 23 Jahre alt." Nach dem Gespräch stand für die Berliner fest, dass sie ein Portal entwickeln wollten, auf dem man Counter-Strike um Geld spielt. Das Problem: Nur in drei Ländern gab es dafür eine Lizenz, nämlich in Malta, Gibraltar und Antigua. Nicht sehr aussichtsreich.

Deshalb traf ein Geschäftspartner Gadowskis eine Entscheidung für Behlau und Kohle: Ihr macht das Internet-Start-up Käuferportal.de. "Eine Plattform, die Kaufinteressenten von Küchen, Solaranlagen, Wintergärten und vielen anderen komplexen Produkten oder Dienstleistungen mit Anbietern aus der Region zusammenbringt. Das klang zunächst nicht nach einer prickelnden Geschäftsidee, aber glücklicherweise konnte er uns überzeugen", erinnert sich Behlau. Dann setzten die beiden alles auf eine Karte: Der eine kündigte seinen Bausparvertrag, der andere plünderte sein Konto, um das Startkapital für die GmbH aufzubringen. "Wir haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass das vorne und hinten nicht reicht, wir brauchten Investoren", erinnert sich Kohle. Nach intensiven Verhandlungen vermittelten Gadowski und studiVZ-Mitbegründer Ehssan Dariani den Junggründern Kontakte zu 20 Business Angels, von denen Behlau und Kohle fünf mit einer Powerpoint-Präsentation von Käuferportal.de überzeugen konnten. Eine halbe Million Euro sagten ihnen die Investoren zu – das war drei Tage vor der Lehman-Brothers-Pleite. "Wir sind also in der dicksten Finanzkrise gestartet", sagt Kohle.

Und das Geld war schneller ausgegeben, als vermutet. Nach drei Monaten war die Hälfte weg, einem Umsatz von 5.000 Euro standen monatlich Ausgaben von 100.000 Euro gegenüber. Die Jungunternehmer lebten im Büro, zahlten sich kein Gehalt aus und standen trotzdem kurz vor der Entlassung ihrer 20 Mitarbeiter und der Pleite. "Wir haben uns dann aufgeteilt. Einer hat sich nur um die Firma gekümmert, der andere nur um die Finanzierung und die Suche nach neuen Geldgebern", erzählt Behlau. "Unsere Zuversicht, dass es doch noch irgendwie klappt, haben wir nie verloren und sind mit ein bisschen Wahnsinn und auch Glück ans Ziel gekommen." Ein neuer Investor wurde gefunden, gleichzeitig stiegen die Zahlen von Käuferportal.de.

"Diese Beinahe-Pleite-Phase hat uns unglaublich demütig gemacht, wir sind viel vernünftiger geworden, auch in Sachen Geld, und haben eine mittelständische Sichtweise entwickelt. Heute verfahren wir nach dem Prinzip: Der Umsatz muss den Kosten vorausgehen. Das mag für andere Unternehmer selbstverständlich sein, im Internetbusiness wird dieser Grundsatz aber häufig nicht umgesetzt", erläutert Kohle.

Sechs Jahre nach dem Start ist die Firma von Kohle und Behlau immer noch auf Wachstumskurs. Mittlerweile beschäftigen sie 270 Mitarbeiter mit Sitz in bester Berliner Innenstadtlage, im vergangenen Jahr verkauften sie mit ihren Partnern Güter im Wert von 500 Millionen Euro. Käuferportal ist mittlerweile viele Millionen Euro wert. Doch von ihrem anfänglichen Plan, ein Unternehmen schnell hochzuziehen und dann zu verkaufen, wollen die beiden Berliner momentan nichts wissen: "Wir haben hart gearbeitet für eine Idee, die an uns herangetragen wurde, nun ist es wirklich unser Baby. Die Firma zu gestalten und nach vorne zu bringen, ist das, was uns Power gibt. Immer weiter zu wachsen, immer größer zu werden. Das ist eine tolle Aufgabe!"

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