Heute ein Kochmesser, morgen ein Schwert für den König von Bahrein: Die Arbeiten von Jürgen Schanz ist vielfältiger, als man bei der Berufsbezeichnung Schneidwerkzeugmechaniker zunächst vielleicht denken mag. Früher wurde der Beruf auch Messerschmied genannt. Schanz stellt allerlei scharfe Schneidwerkzeuge her: Koch-, Taschen-, Jagdmesser gehören ebenso wie Dolche oder Schwerter. "So exklusive Wünsche wie ein Schwert als Staatsgeschenk für das Königshaus Bahrein sind zwar die Ausnahme, jedoch immer wieder eine willkommene Herausforderung", sagt Schanz.

Als Ausgangsmaterial dient dem Messerschmied fast immer ein rohes Stück Stahl. Den bekommt er schon fertig geliefert, nur bei besonders aufwendigen Arbeiten, etwa wenn Damast-Stahl verwendet werden soll, nimmt Schanz das Schmieden des Stahls selbst vor. Überhaupt sucht man industriell gefertigte Ware bei Schanz vergeblich. "Die komplette Fertigung eines Messers, vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt, erfolgt bei uns frei Hand." Darum sind auch die Vorstellungen des Kunden wichtig. Soll es ein Küchenmesser werden oder ein Messer für die Jagd? Soll es ein Messer mit Klappfunktion sein?

Dazu fertigt Schanz anhand einer Vorlage eine technische Zeichnung an, aus der Aussehen und Form, sowie Länge des Messers hervorgehen. Später überträgt er die Form der Klinge auf den vorbereiteten Stahl und sägt sie grob aus und schleift sie stundenlang zurecht. Hier steht der Erfolg sprichwörtlich auf des Messers Schneide: "Nur ein wenig Abweichung und die Form entspricht nicht mehr dem Kundenwunsch", sagt Schanz.

Schanz arbeitet zunächst mit groben Schleifbändern und geht nach und nach zu einer immer feineren Körnung über. Außerdem bohrt er die Grifflöcher an die vorgesehene Stelle. Damit das Messer später auch der Belastung beim Schneiden Stand hält, muss der Stahl noch gehärtet werden. "Der Stahl würde sonst brechen wie Glas", sagt Schanz. Erst nach dem Härten wird die Klinge abermals fein geschliffen, bis die Oberfläche die gewünschte Textur und Politur erhält.

Jetzt fehlt nur noch der Griff des Messers, den Schanz auch selbst herstellt. Als Material können unterschiedliche Hölzer ebenso dienen wie Horn oder Knochen. Der Griff wird zunächst zugesägt, geschliffen und verstiftet oder verschraubt. Zu guter Letzt wird auch der Griff noch poliert oder geölt. 

200 Euro für ein Messer

Der Preis für ein handgefertigtes Kochmesser liegt bei Schanz zwischen 150 und 200 Euro. Ein Jagdmesser oder Schwert ist teurer. Hier bemisst sich der Preis nach Zeitaufwand und Materialkosten. "Für ein einfaches Küchenmesser benötige ich etwa 7 bis 8 Stunden, die Herstellung eines Jagdmessers kann schon mal 15 Stunden dauern und für ganz besondere Arbeiten benötige ich schon mal mehrere Hundert Stunden", sagt Schanz.

Handwerkliches Geschick, Grundkenntnisse der Physik und Chemie, Genauigkeit, ein gutes Augenmaß, Geduld und Gefühl für Material und Werkzeug sowie Kreativität ist für die Arbeit als Schneidwerkzeugmechaniker vonnöten. "Unsere Arbeit ist mehr Kunst als Handwerk", sagt Schanz. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und ist staatlich anerkannt. Der Beruf ist in die zwei Schwerpunkte "Schneidwerkzeug- und Schleiftechnik" sowie "Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik" aufgegliedert. Erstere befassen sich mit der Produktion und dem Nachschärfen von Schneiden für Maschinen. Zweitere stellen Messer und Scheren her.

Neben Fräsen, Löten, Schweißen, Material- und Werkzeugkunde, technischem Zeichnen sowie der Arbeit mit CNC-Automaten steht insbesondere die Arbeit mit den Schleifmaschinen im Vordergrund. Welches Schleifmittel ist für welches Material geeignet? Welche Körnung muss man für welchen Arbeitsschritt verwenden? Die Ausbildung wird mit einer theoretischen, mündlichen und praktischen Prüfung abgeschlossen. Die Chancen auf einen Job sind allerdings mittelmäßig. Zwar werden Fachkräfte in der Industrie gesucht. Attraktiver finden viele Auszubildende aber den kunsthandwerklichen Charakter des Berufes. "Die industrielle Fertigung von Messern hat mit unserer Arbeit kaum noch etwas zu tun. Da wird ausschließlich mit computergesteuerten Maschinen gearbeitet", sagt Schanz. Leider gibt es in kleinen Handwerksbetrieben, die wie Schanz arbeiten, so gut wie keine freien Stellen. 

Die Arbeit kann mitunter schmutzig sein, man hat es mit Abrief und Schleifstaub zu tun. Zwar sind moderne Absauganlagen in jedem produzierenden Unternehmen Pflicht, dennoch ist der Staub bei der Arbeit allgegenwärtig. Darüber hinaus ist die Arbeit körperlich anspruchsvoll und auch nicht ungefährlich. Das grob bearbeitete Metall ist nach dem Schleifen nicht nur heiß, sondern weist mitunter auch scharfe Ecken und Kanten auf, an denen man sich leicht verletzen kann. Über die negativen Seiten seines Berufes sieht Schanz jedoch hinweg. "Es ist schon Kunst, in jedem Messer steckt ein Höchstmaß an Perfektion."

  • Gehalt: Das Gehalt ist abhängig von der Anzahl der Jahre im Beruf sowie vom Standort des Arbeitgebers und liegt zwischen 1.400 und 2.250 Euro Bruttomonatslohn.
  • Arbeitszeit: In der Regel etwa 40 Stunden pro Woche
  • Ausbildung: duale, staatlich anerkannte Ausbildung, Dauer 3,5 Jahre