Dass ein Buch einmal das komplette Leben von Julia Nußhart verändern würde, hätte sie wohl selbst nicht gedacht. "Für mich war eigentlich immer klar, dass ich irgendwann die Marketingchefin eines großen Konzerns sein werde", erzählt die 32-Jährige. Darauf arbeitete sie zielstrebig hin: Sie studierte BWL in München und arbeitete nebenbei bei Adidas und Mercedes Benz. Doch zunehmend merkte sie, dass ihr die Strukturen der großen Konzerne gar nicht so lagen. "Ich wollte etwas Kreativeres machen und zog nach meinem Studium nach Berlin."

Nach einem kurzen beruflichen Ausflug in die Werbebranche übernahm sie das Marketing und den Vertrieb  für ein chinesisches Unternehmen, das LED-Lampen herstellt. Nußhart baute die Europazentrale in Berlin auf. Anfangs habe das viel Spaß gemacht und sie habe viel gelernt. "Aber dann kam der Moment, wo ich aus dem Fenster meines Büros in der Friedrichstraße geschaut und die vielen glücklichen Menschen gesehen habe, die auf der Straße saßen und Kaffee tranken. In mir war nur noch die Frage: Was mache ich hier eigentlich?" Ihr sei klar geworden, dass sie so nicht weitermachen wollte.  Schon gar nicht die nächsten 20, 30 oder gar 40 Jahre.

Nußhart horchte in sich hinein, wollte ergründen, was nicht stimmte und warum ihre Karriere sie nicht glücklich machte. Auf den richtigen Weg brachte sie dabei die Lektüre eines Buches von Karrierecoach Pamela Wöller-Preisendörfer. "In dem Buch geht es um die Gedankenmuster, die wir in uns tragen. Die Autorin verfährt nach dem Leitsatz: Wenn wir unserer Gedanken bewusst werden und unsere Einstellung ändern, wird das Leben einfacher. Das schien mir logisch", erzählt Nußhart. Das Buch begeisterte sie so, dass sie Kontakt mit der Trainerin aufnahm. "Noch bevor ich mein erstes Coaching bei ihr hatte, habe ich in der LED-Firma gekündigt."

Nußhart begann, ein Tagebuch zu schreiben über die Dinge, die sie täglich machte, erlebte und die Gefühle, die sie dabei hatte. Das sei eine enorme Bereicherung für sie gewesen, sagt die Wahl-Berlinerin rückblickend. "Irgendwann kamen wir auf mein Hobby Yoga zu sprechen und Frau Wöller-Preisendörfer hat mich auf die Idee gebracht, darin eine Ausbildung zu machen. Das habe ich im ersten Moment total abgeblockt, weil ich mich ja immer noch als die große Marketingchefin gesehen habe", erzählt sie. Yogalehrer, das seien andere Leute für sie gewesen, aber auf keinen Fall ein Beruf, der zu ihr passen würde. Da war sich Nußhart sicher: "Doch je mehr ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzte, desto klarer wurde mir, dass ich Yoga für mich brauche, und dass es mich inspiriert." 

Die Idee nahm immer mehr Gestalt an: 2012 absolvierte Nußhart in der Nähe von Woodstock eine Ausbildung im Jivamukti-Yoga. Zurück in Berlin fing sie an, in einem Yoga-Studio als Lehrerin zu arbeiten. "Von da an bin ich morgens mit einem guten Gefühl aufgewacht und war einfach nur zufrieden."   

Mehr Kreativität wagen

Dennoch wurde ein zweiter Wunsch in Nußhart immer intensiver: "Ich wollte schon immer ein eigenes Unternehmen haben, wusste aber nicht so genau, was." Da das Tagebuchschreiben sie beim ersten Mal so erfolgreich weiter gebracht hatte, verfuhr sie wieder nach derselben Methode. Stück für Stück wurde ihr dadurch bewusst, dass sie mehr Kreativität leben und zeigen wollte. So begann sie, Schmuck zu designen. 2014 gründete sie ihre Firma Jai Jewellery.

Den Gedanken an die Marketingchefin hat Nußhart endgültig aus ihrem Leben verbannt. "In den festen Strukturen habe ich mich eingeengt gefühlt", weiß sei heute. Mit dem BWL-Studium sei sie der beruflichen Richtung ihres Vaters, einem Steuerberater, nachgegangen. Den Beruf ihrer Mutter, die Heilpraktikerin ist, habe sie immer ein wenig belächelt. Heute habe sie großen Respekt vor beiden Berufen, denn sie habe erkannt, dass man seinen Talenten folgen müsse, um glücklich zu sein: "Solch ein Leben in Zufriedenheit ist für jeden von uns möglich. Dafür muss man nur anfangen, sich mit sich selber auseinanderzusetzen."

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