Muss ich einem Mitarbeiter im Falle einer Arbeitsunfähigkeit sein Gehalt weiterzahlen, wenn die in einem gefährlichen Urlaubsland oder bei einer gefährlichen Sportart entstand?, fragt Andrea Berger.

Sehr geehrte Frau Berger,

reist ein Mitarbeiter in gefährliche Urlaubsländer oder geht einer gefährlichen Sportart nach, haben Sie als Arbeitgeberin hierauf keinen Einfluss und können das auf keinen Fall verbieten, sondern müssen es akzeptieren. Geschützt sind Mitarbeiter hier von ihrem Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

Wer aber in seinem Urlaub das Risiko förmlich sucht (beispielsweise durch risikoreiche Aktivitäten), riskiert unter Umständen seine Lohnfortzahlung im Falle einer Arbeitsunfähigkeit. Arbeitgeber brauchen nämlich das Gehalt für die ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit nicht zahlen (ab der siebten Woche springt die gesetzliche Krankenkasse ein), wenn der Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied schon in einem Urteil (Az.: 5 AZR 536/70), dass ein Mitarbeiter aufgrund seines schuldhaften Verhaltens nicht für die Dauer seiner Erkrankung auf die Entgeltfortzahlung durch seinen Arbeitgeber pochen konnte. Denn der Mann ging bewusst ein Risiko ein. Entgeltfortzahlung wird also immer dann gezahlt, wenn die Arbeitsunfähigkeit ohne Verschulden des Arbeitnehmers zustande kam (§ 3 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz). Ein schuldhaftes Verhalten liegt vor, wenn der Mitarbeiter grob gegen das von einem verständigen Menschen im eigenen Interesse zu erwartenden Verhalten verstößt, argumentiert das Bundesarbeitsgericht in ständiger Rechtsprechung.

Was heißt das nun konkret? Auch hier kommt es immer auf den Einzelfall an. Denn in die Beurteilung der Gefahr fließt auch immer ein, wie gut ein Mitarbeiter eine Sportart ausüben kann und wie fachkundig er ist. Das Arbeitsrecht schaut hier genau hin, ob ein Mitarbeiter überfordert war, leichtsinnig handelte oder ob von einem Unglücksfall ausgegangen werden muss.

Zusammengefasst kann man sagen, ein Arbeitnehmer handelt schuldhaft, wenn er in grober Weise und leichtsinnig gegen die Regeln einer Sportart verstößt, eine besonders gefährliche Sportart ausübt oder weit über seine Kräfte und Fähigkeiten sportlich agiert. Also immer, wenn ein Mitarbeiter ein unkontrollierbares Risiko eingeht und sich über die Gefahren im Klaren ist, kann von seinem Verschulden ausgegangen werden. Während beispielsweise Mixed Martial Arts – Kampfsport mit Vollkontakt und ohne besonderen Schutz – beispielsweise bereits als gefährliche Sportart mit einem hohen Verletzungsrisiko eingestuft wird, zählen das Amateurboxen oder Drachenfliegen nicht dazu.

Ihr Ulf Weigelt