Es hat lange gedauert, bis Franziska Ferber den Gedanken realisiert hatte. Den Gedanken, dass sie das, was sie sich so sehnlichst wünschte, nie haben würde: ein Kind. Sechs Millionen Menschen in Deutschland tun sich schwer damit, ein Kind zu bekommen, bei zwei Millionen funktioniert es gar nicht. Die daraus erwachsenden psychosozialen Belastungen sind enorm – dennoch ist der unerfüllte Kinderwunsch ein Tabuthema. "In unserer Gesellschaft wird darüber nicht geredet, obwohl das so wichtig wäre, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Deshalb habe ich mir das zur Aufgabe gemacht: Ich rede darüber und helfe konkret beim Umgang mit der Kinderlosigkeit in verschiedenen Lebensbereichen", sagt Ferber. Vor einem Jahr hat sie sich selbstständig gemacht – als Coach für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Beruflich kommt Ferber aus einem ganz anderen Lager: Die studierte Betriebs- und PR-Fachwirtin machte fünf Jahre lang Öffentlichkeitsarbeit für die CSU-Landesleitung in München. "Das war nach dem Studium ein Sprung in kaltes Wasser. Kurz nachdem ich angefangen hatte, wurde Edmund Stoiber Kanzlerkandidat. Da gab es natürlich eine Menge zu tun. Meine Schwerpunkte waren die Mediaplanung sowie Dreh- und Fotoarbeiten für die Kampagne", erzählt die 37-Jährige. Im gleichen Takt ging es danach weiter: "Fünf Jahre, fünf Wahlkämpfe, mit allem, was dazugehört", resümiert sie heute. Dann lockte ein Angebot von einer Unternehmensberatung, das Ferber gern annahm. "Als Leiterin der Unternehmenskommunikation und Senior Consultant für Marketing war mein Aufgabenbereich sehr vielfältig. Ich durfte viel reisen und mit interessanten Menschen arbeiten. Ich habe diese Zeit sehr genossen."

Ein Gespräch mit Dorothee Bär, die zu dem Zeitpunkt stellvertretende Generalsekretärin der CSU war und eine Büroleiterin suchte, führte Ferber fünf Jahre später wieder zurück in die Politik. "Da ich einige Jahre in der Wirtschaft war, hatte ich einen ganz anderen Blick auf die politischen Wirkungsfelder. Deshalb konnte ich mir auch gut vorstellen, wieder zurückzukommen." Als Bär drei Jahre später Staatssekretärin in Berlin wurde, stand für Ferber fest, dass sie die Landesleitung ebenfalls verlassen würde. 

Gegen das Verstummen

Eine Idee für die nächste berufliche Station hatte sie auch schon – aus ganz persönlichen Motiven heraus: "Mein Mann und ich haben jahrelang alle in Deutschland verfügbaren reproduktionsmedizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um ein Kind zu bekommen. Leider ohne Erfolg." Eine Zeit, die körperlich und seelisch sehr belastend für das Paar war. Franziska Ferber merkte, dass etwas fehlte: "Die Kassen zahlen drei Befruchtungsversuche zur Hälfte. Aber nur das rein Medizinische. Die psychische Seite wird nicht abgedeckt. Es wird so getan, als wäre die Psyche nicht wichtig für den Wunsch nach einem Kind. Für mich ist das ein unhaltbarer Zustand." 

So entstand der Gedanke, anderen Menschen genau diese fehlende Hilfe anzubieten. Ferber ließ sich während ihrer zweiten CSU-Zeit drei Jahre lang berufsbegleitend zum systemischen Coach ausbilden und entwickelte sukzessive ihr Geschäftsmodell. "Ich glaube, dass ich ein guter Ansprechpartner bin, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr man sich nach einem Kind sehnen und wie einsam und unverstanden man sich als Frau in dieser Phase fühlen kann. Wenn dann die Familie und Freunde noch Unverständnis zeigen oder man sich einer Vielzahl von vermeintlichen Erfolgstipps ausgesetzt sieht, denen man ob fehlender Überzeugung oder Kraft nichts entgegenzusetzen hat, verstummt man schließlich." Genau an dieser Stelle setzt ihr Coaching an.

Sie hat sich daher zweierlei zur Aufgabe gemacht: Zum einen will sie sich um die Betroffenen kümmern, Frauen signalisieren, dass sie mit dem Thema nicht allein sind. Ganz wichtig sei dabei die Arbeit am Lebenssinn, so Ferber: "Viele mit einem unerfüllten Kinderwunsch verlieren die Kraft, an ein erfülltes Leben zu glauben, wenn sie kein Kind bekommen können. Im Coaching versuchen wir, neue Perspektiven zu entwickeln. So entsteht wieder Halt und Orientierung – der Grundstein für neues Selbstvertrauen und Lebensfreude." Zum anderen will Ferber das Thema, das so viele Menschen betrifft, in die Öffentlichkeit bringen.   

Reden, reden, reden

Ein Angebot, das immer mehr Betroffene annehmen wollen. "Mich kontaktieren Frauen, Männer und Paare aus ganz Deutschland, manche sogar aus dem Ausland. Häufig finden unsere Gespräche via Skype oder am Telefon statt. Die meisten melden sich, wenn es in erster Linie darum geht, die seelischen Qualen zu lindern." Auch das Blog, das Ferber auf ihrer Seite schreibt, finde großes Interesse: "Es wird derzeit in 37 Ländern gelesen."

Der Erfolg macht die Münchnerin stolz und bestätigt sie darin, weiterzumachen. Sie habe nun das Gefühl, dass ihre eigene Kinderlosigkeit einen Sinn hatte. Einen Gedanken, zurück in die Politik zu gehen, habe sie nicht. "Die politische Denke werde ich natürlich nicht mehr los und das Thema Politik spielt auch dadurch, dass mein Mann im politischen Bereich tätig ist, weiterhin eine große Rolle in meinem Leben." Glücklich mache sie aber ihre jetzige Arbeit. "Wenn mich eine Frau anruft oder mir freudig mailt, dass sie doch schwanger geworden ist, bekomme ich eine Gänsehaut – und freue mich riesig mit ihr. Ich bin dankbar, das erleben zu dürfen."