Ich hätte am Montag wieder am Arbeitsplatz erscheinen sollen, allerdings wurde mein Rückflug am Sonntag gestrichen, sodass ich erst am Montag fliegen und somit am Dienstag wieder am Arbeitsplatz erscheinen konnte. Mein Arbeitgeber verlangt jetzt von mir, dass ich einen zusätzlichen Urlaubstag nehme. Darf er das?, fragt Timon Meisner.

Sehr geehrter Herr Meisner,

Ihr Arbeitgeber hat nicht das Recht, Ihnen in diesem Fall einen zusätzlichen Urlaubstag einseitig im Nachgang zuzuweisen – sprich, diesen als genommen anzurechnen. Denn der Arbeitgeber kann nicht einfach einseitig Fehltage des Arbeitnehmers als Urlaubstage verrechnen. Der Urlaubsanspruch bleibt insofern bestehen. Selbst eine anderslautende Vereinbarung im Arbeitsvertrag ist unwirksam. Solche Ereignisse fallen in den Bereich des täglichen Lebensrisikos.

Ihr Arbeitgeber ist allerdings aufgrund Ihres Fernbleibens auch nicht verpflichtet, die Vergütung zu zahlen. Grundsätzlich gilt: "Ohne Arbeit kein Lohn." Das heißt, wenn und solange keine Arbeitsleistung erbracht wird, erhält der Arbeitnehmer keine Vergütung.

Von diesem Grundsatz gibt es jedoch Ausnahmen. Eine solche Ausnahme ist im Paragraf 616 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelt.

Danach ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, trotz Fernbleiben des Arbeitnehmers den Lohn fortzuzahlen, wenn dieser aus persönlichen Gründen für eine verhältnismäßig unerhebliche Zeit nicht arbeiten kann.

Jedoch greift diese Ausnahmeregelung des Paragrafen 616 BGB nur bei einer Arbeitsverhinderung aus persönlichen Gründen. Bei Ihnen liegt aber ein objektives – nicht nur Sie betreffendes – Leistungshindernis vor.

Sie waren nicht am Arbeitsplatz aufgrund einer Verkehrsstörung: Ihr Flug fiel komplett aus. Das hat aber auch andere Flugreisende betroffen. Und weil nicht nur Sie, sondern viele weitere betroffen waren, greift die Ausnahmeregelung im Paragrafen 616 BGB nicht. Ihr Chef hat also das Recht, Ihnen das Gehalt für den einen Tag nicht zu zahlen.

Ihr Ulf Weigelt