Ich habe einige Überstunden gemacht, die ich jetzt gern bezahlt hätte. Mein Arbeitgeber aber bestreitet, dass die überhaupt notwendig waren. Haben ich die Mehrarbeit jetzt umsonst gemacht?, fragt Wiebke Weiss.

Sehr geehrte Frau Weiss,

was Überstunden sind, ist juristisch klar definiert: Arbeitszeit, die über die vertraglich vereinbarte Zeit hinausgeht. Man nennt sie auch Über-Arbeitszeit. Als Mehrarbeitszeit hingegen wird die Arbeitszeit bezeichnet, die länger dauert als die gesetzlich zulässige regelmäßige Arbeitszeit. 

Entscheidend ist, ob Ihr Arbeitgeber Ihre Überstunden angeordnet, gebilligt oder geduldet hat, oder ob die Überstunden nötig waren, damit Sie ihre Arbeit – das Gesetz nennt das "die von Ihnen dem Arbeitgeber geschuldete Leistung" – erledigen konnten. Dann nämlich wäre Ihr Arbeitgeber verpflichtet, Ihre Überstunden zu vergüten. Falls die Zusatzarbeit nur "sachdienlich" war, aber nicht unbedingt notwendig, so würde das für einen Zahlungsanspruch Ihrerseits nicht ausreichen.

Nicht selten empfinden Arbeitgeber die Verrichtung von Überstunden als selbstverständlich. Deshalb ist es grundsätzlich ratsam, dass Mitarbeiter diese Zeiten ganz genau protokollieren: Wann wurde welche Aufgabe erledigt? Wie lange hat das gedauert? Auch liegt es beim Mitarbeiter, belegen zu können, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet oder sie geduldet hat. Kann er das nicht, oder hat er seine Zusatzarbeit nicht ausreichend akribisch dokumentiert, scheitert er im Zweifel vor Gericht. 

Deshalb sollten Mitarbeiter ihren Arbeitgeber immer informieren, bevor sie Überstunden machen. Eine E-Mail reicht dazu aus. Wichtig ist jedoch, sie so früh abzuschicken, dass der Arbeitgeber noch ein Veto einlegen kann. Und nach der Verrichtung von Überstunden sollten Mitarbeiter erneut ihren Arbeitgeber über die geleisteten Überstunden per Mail informieren. Und zwar regelmäßig, damit Arbeitgeber hinterher nicht sagen können, sie hätten von solch einem Mehraufwand nichts gewusst.

Lassen Sie sich die Überstunden also zeitnah von Ihrem Dienstvorgesetzten bestätigen.

Übrigens setzt das Arbeitszeitgesetz den Überstunden kein spezielles Limit. Sie sind unbegrenzt zulässig, solange die allgemeinen Grenzen des Gesetzes eingehalten werden. Allerdings müssen sie aus überwiegenden betrieblichen Interessen erforderlich sein.

Ihr Ulf Weigelt