Hier eine selbst verfasste Biographie, dort eine Doktorarbeit: Nicht alle Bücher werden heute maschinell hergestellt. Besonders, wenn ein Werk als exklusive Kleinstserie geplant ist oder Großvater seine Memoiren als hochwertiges Einzelexemplar den Enkelkindern vermachen möchte, werden Bücher in Handarbeit gebunden. "Bei geringen Stückzahlen lohnt sich eher der Gang zum Buchbinder", sagt Buchbindermeister Hans-Dieter Jung.   

Noch bis 2011 waren Buchbinder auch mit der Massenfertigung von Büchern und Kalendern beschäftigt. Daraus ist jedoch der Beruf des Medientechnologen hervorgegangen. Seither sind Buchbinder für Sonderanfertigungen oder kleinere Buchauflagen bis etwa 500 Stück zuständig – überwiegend alles in Handarbeit gefertigt. "Wir Buchbinder sind Handwerker geblieben", fasst Jung zusammen.

Die Handwerker arbeiten vor allem mit zwei Techniken: Bei der Fadenheftung, einer speziellen Nähtechnik, werden die Seiten eines Buches mit Fäden miteinander verbunden. Daneben gibt es die Klebeheftung, auch Fächerbindung genannt, bei der die Seiten durch Verkleben zu einem Einband gebunden werden. Jede Buchseite darf dabei nur minimal an den Blattkanten beleimt werden. Buchbinder nutzen diese Technik vor allem bei Taschenbüchern.

Egal, welche Technik: Weil es eigentlich immer besondere Auflagen und Werke sind, haben es Buchbinder meistens mit individuellen Wünschen der Kunden zu tun. Vor allem für Einzelanfertigungen etwa von Diplomarbeiten, Gäste- oder Kondolenzbüchern oder Poesiealben gibt es ungewöhnliche Vorstellungen. Viele Kunden wünschen sich hochwertige Materialien, besonderes Papier oder einen Einband aus Leder, Samt oder Leinen. "Es gibt auch zunehmend Kunden, die ein altes Buch instand gesetzt und repariert haben wollen", sagt Jung. 

Buchbinder stellen aber nicht nur Bücher her, sie rahmen auch Bilder ein, fertigen Schatullen, Schachteln oder andere Behältnisse aus Papier und Pappe an. "Wir machen alles, was in irgendeiner Form mit Papier und Pappe zu tun hat", sagt Jung.

Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte gute Mathematikkenntnisse, handwerkliches Geschick, Kreativität, Präzision und Geduld mitbringen. Auch gute Deutschkenntnisse sind für die Arbeit notwendig, da viele Bücher von außen beschriftet werden. Außerdem sollte man körperlich fit sein, denn Buchbinder müssen in ihrem Job oft Papier schleppen.

Die Ausbildung erfolgt dual in Betrieb und Berufsschule. In den ersten beiden Ausbildungsjahren werden angehende Buchbinder und Medientechnologen in der Berufsschule gemeinsam unterrichtet. "Das Grundwissen der beiden Berufe ist sehr ähnlich, erst im dritten Ausbildungsjahr erfolgt die Spezialisierung", sagt Jung. Praktisch lernen die Buchbinder in spe die unterschiedlichen Bindetechniken, wie Bucheinbände gestaltet werden oder Behältnisse aus Papier und Pappe angefertigt werden. In der Berufsschule stehen Materialkunde, der Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, aber auch, wie man Materialien vernünftig kalkuliert, auf dem Lehrplan. Wer nach drei Jahren die Gesellenprüfung abschließt, kann mit einigen Jahren Berufserfahrung eine Meisterausbildung anschließen.

Jobs sind allerdings rar, ebenso wie freie Ausbildungsstellen. "Unsere Branche schrumpft wegen der fortschreitenden Digitalisierung seit Jahren", sagt Jung. Auch ehemals große Auftraggeber wie etwa Bibliotheken bieten ihr Medienangebot heute vermehrt in digitaler Form an. Immerhin: Schätzungsweise 500 Buchbinderbetriebe gibt es in Deutschland noch. Dass sein Beruf ganz aussterben wird, glaubt Jung aber nicht. Schließlich werde Handarbeit immer noch geschätzt. Für ihn gibt es auch keinen schöneren Beruf. "Es ist eine sehr kreative Tätigkeit. Man hat viele Freiheiten und kann viele Ideen in die Arbeit mit einfließen lassen."

  • Gehalt: Einstiegsgehalt liegt bei etwa 1.750 Euro brutto monatlich, mit einigen Jahren Berufserfahrung steigt das Gehalt auf bis zu 2.880 Euro Monatsbrutto.
  • Arbeitszeit: 38 bis 40 Stunden pro Woche
  • Ausbildung: dreijährige, duale Ausbildung zum Buchbindergesellen bzw. zur Buchbindergesellin