Nach meiner Kündigung hatte ich wieder die Wahl. Um die richtige Entscheidung zu treffen Also ließ ich mich von einem Coach unterstützen und erkannte, dass genau das Thema Berufswahl mein zukünftiges Tätigkeitsfeld sein würde. So gründete ich ein Beratungsunternehmen, das Menschen aller Altersgruppen dabei hilft, den Beruf zu finden, der sie wirklich erfüllt. Und das geht beispielsweise auch in einem Alter Ende 50.

Denn es kein Alter, in dem man sich die Frage nach dem "richtigen" Beruf nicht stellt. Idealerweise stellt man sie sich zunächst gründlich am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. Es gibt jedoch im Laufe des Lebens immer wieder Phasen, oft beeinflusst durch sich ändernde Lebenssituationen, -partner oder -ereignisse, in denen wir uns und unsere berufliche Tätigkeit hinterfragen. Das Gesamtpaket eines Lebens muss stimmen und mit den eigenen Werten und den individuellen Rahmenbedingungen zusammenpassen.

Die Antwort steckt in jedem von uns, es gilt nur, sich die richtigen Fragen zu stellen.

Die Erfahrung zeigt: Junge Menschen sprudeln nur so, wenn es um ihre eigene Person geht. Sie kennen sich sehr gut. Je älter man wird, und vor allem je höher man in der Karriere- oder Managementleiter steigt, umso abgestumpfter wird man. So sind Interessen oft nur noch verkümmert vorhanden, ganz zu schweigen von Inspiration. Viele kennen auch ihre Bedürfnisse nicht mehr.

Heute haben so viele Menschen wie noch nie die Freiheit, zu entscheiden. So viele Menschen wie nie studieren oder haben studiert. Und so viele Frauen wie nie sind berufstätig und haben – zumindest hierzulande – gleichberechtigten Zugang zu Bildung. 

Portfoliojobs statt klassischer Lebensläufe

Karrieren verlaufen heutzutage nicht mehr geradlinig wie in den Generationen vor uns. Es gibt keine Jobsicherheit mehr. Die Digitalisierung sorgt dafür, dass Berufsbilder aussterben und ganz neue entstehen. Genauso wie es vermehrt Lebensabschnittspartner gibt, gibt es auch vermehrt Lebensabschnittsjobs. Klassische Lebensläufe werden seltener. Karrieren als Einbahnstraße, auf der wir uns Schritt für Schritt nach oben kämpfen, sind ein Auslaufmodell. Portfoliojobs, eine berufliche Tätigkeit basierend auf mehreren Standbeinen, sind im Kommen. Wir werden in Zukunft im Laufe unseres Lebens mehrmals beruflich durchstarten, uns öfter neu erfinden müssen. Das erfordert Gelassenheit. Denn wir haben die Freiheit, einmal eingeschlagene Wege zu verändern.

Ein Studienabschluss ist nicht der alles bestimmende Faktor für den Rest des Lebens und auch nicht gleichzusetzen mit einem Beruf. In vielen Fällen hat die spätere berufliche Laufbahn wenig mit dem zu tun, worin man sein Studium absolviert hat. Dasselbe gilt für Firmengründungen. Firmen erleben selten den durchbrechenden Erfolg mit dem Produkt, für das sie gegründet wurden.

Der US-amerikanische Autor Daniel H. Pink beschreibt in seiner 13 Millionen Mal angeklickten TED-Rede zu den neuesten Erkenntnissen aus der Motivationsforschung drei Elemente, die uns antreiben: Autonomie, Überlegenheit und Bestimmung. Der Drang, unser Leben eigenständig zu lenken, der Wunsch, besser und besser in etwas Bedeutungsvollem zu werden und die  Sehnsucht zu tun, was wir im Dienste von etwas Größerem als wir selbst tun – dies und nicht finanzielle Anreize motivieren uns zu Höchstleistungen.

Vielleicht können wir die Devise follow your passion einfach umdrehen und sagen passion will follow you, deine Leidenschaft wird dir folgen. Richten wir also das Augenmerk darauf, herauszufinden, was uns Freude bereitet, worin wir gut sind und wo wir einen für uns befriedigenden Beitrag für die Gesellschaft leisten können.