Studien zeigen, dass Marathonläufer ein höheres Einkommen haben als Menschen, die keinen Laufsport treiben.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, Laufen macht erfolgreich. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Laufen und beruflichem Erfolg, Herr Butz?

Andreas Butz: Gerade Führungskräfte suchen sich gerne weitere Spielweisen, auf denen sie zeigen können, wie erfolgreich sie sind. Da bieten sich Laufveranstaltungen natürlich an. Nur etwa jeder 600. Deutsche wagt sich an einen Marathon, aber rund jeder zehnte Chef eines Dax- oder MDax-Unternehmens läuft regelmäßig die 42,195 Kilometer. Dazu gehören etwa Commerzbank-Vorstand Martin Blessing, Deutsche-Bahn-Vorstand Rüdiger Grube oder auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann.

Läufer entwickeln eine Reihe positiver Eigenschaften: Sportler können sich gut motivieren, haben Ausdauer, gehen an ihre Grenzen, gelten als hartnäckig, willensstark, zielstrebig, fleißig und diszipliniert. Das sind alles Fähigkeiten, die im Job wichtig sind. Daneben macht Laufen zufrieden. Für den Unternehmer Jochen Spethmann zum Beispiel ist der Morgenlauf, den er als Internatsschüler hasste, heute der erste Sieg des Tages. Viele schwören auf die positive Wirkung, die das morgendliche Lauftraining hat.

ZEIT ONLINE: Welche ist das?

Butz:  Laufen am Morgen hebt die Laune. Der Sauerstoff fördert enorm die Durchblutung, sodass Körper und Geist in Bewegung kommen. Morgenläufer sind schon energiegeladen, wenn sich die Kollegen erst mal in der Kaffeeküche treffen und mit Espresso allmählich in Tagesform bringen.

ZEIT ONLINE: Beeinflusst die körperliche Fitness den Führungsstil?

Butz: Ganz klar ja. Die athletische Figur und der Teint eines Outdoor-Sportlers beeinflussen natürlich die Ausstrahlung. Und die Erfolge aus Training oder Wettkampf nimmt man mit ins Büro. Erfolgreich wird man durch selbst erlebte Erfolge und dafür bietet der Laufsport eine Menge Gelegenheiten. Nach langer Sportabstinenz überhaupt mal mit dem Laufen zu beginnen, ein erster Erfolg. Vier Wochen durchzuhalten, ein weiterer. Die ersten 40 Minuten durchzulaufen, die ersten 10 Kilometer zu schaffen, diese Schallmauern zu durchbrechen – das alles sind Erfolge. Das lässt sich bis zum Marathon so fortschreiben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Umfragen zeigen, dass der Lieblingssport von Top-Managern das Laufen ist. Laufsport verbessert die Konzentrationsfähigkeit, lindert Jetlag und steigert das Selbstwertgefühl sowie die körperliche Widerstandsfähigkeit.

ZEIT ONLINE: Welchen positiven Einfluss hat das Laufen noch?

Butz: Der Management-Experte Reinhard K. Sprenger hat mal gesagt: Mitarbeiter kommen zu Unternehmen, aber sie verlassen Vorgesetzte. Und das stimmt auch. Laufsport eignet sich gut, den partnerschaftlichen Umgang mit den Mitarbeitern zu verbessern – also das Laufen als festen Bestandteil in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Dazu braucht man nur eine Firmenlaufgruppe zu gründen. Man kann mit Teams bei Firmenläufen teilnehmen. Großen Spaß kann beispielsweise auch die Teilnahme an einem Staffelmarathon machen. Dabei wird die Distanz unterteilt. Ein Team läuft insgesamt die Marathonstrecke, aber jeder einzelne nur eine kürzere Distanz von 5 bis 10 Kilometern. Das gemeinsame Erfolgserlebnis verbessert meist auch die Zusammenarbeit. Man kann auch Laufmeetings veranstalten und Besprechungen in Bewegung machen. Dazu muss an nicht mit dem ganzen Team joggen gehen. Denkbar sind auch Spaziergänge. So oder so ist die Integration von Bewegung in den Joballtag eine gesunde Abwechslung, die Mitarbeiter fit macht. Langfristig sinkt oft auch der Krankenstand.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, Laufen verbessere auch die kognitive Leistung. Wie kommt das?

Butz: Jeder Sport ist gut. Laufsport im Freien allerdings im Besonderen. Laufen fördert die kognitiven Fähigkeiten und damit logisches Denken und Kreativität. Dauerläufe an der frischen Luft verzögern die Alterungsprozesse des Gehirns. Auch nehmen durch gleichmäßige Laufbelastungen in bestimmten Hirnarealen die Blut- und Sauerstoffzufuhr um bis zu ein Drittel zu. Und die Anzahl Nervenzellen im Hippocampus erhöht sich durch regelmäßiges Laufen im Sauerstoffüberschuss. Und die werden vordringlich zum Lernen gebraucht. Es entstehen auch mehr Synapsen, die Verbindungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Je mehr Synapsen man hat, umso schneller funktionieren Denkvorgänge. Die Gedächtnisleistung verbessert sich, der Kopf wird wacher und aufnahmefähiger, die Gedanken werden klarer. Und das in jedem Alter. Es ist daher nie zu spät, mit dem Laufen zu beginnen.

ZEIT ONLINE: Sie behaupten, Läufer verdienen besser. Woran machen Sie das fest?

Butz: Tatsächlich gibt es erstaunliche Zusammenhänge zwischen Trainingsfleiß und Gehalt. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat ermittelt, dass das durchschnittliche Einkommen ambitionierter Läufer deutlich höher ist als das der Gesamtbevölkerung. Verdient statistisch nur jeder dritte Bundesbürger – also etwa 33 Prozent – mindestens 3.000 Euro monatlich, schneiden Läufer deutlich besser ab.

Von den Gelegenheitsjoggern verdienen bereits 44,6 Prozent 3.000 Euro im Monat oder sogar mehr. Bei den Befragten, die nach eigenen Angaben mehrmals pro Woche laufen, knackt sogar fast jeder Zweite (47,4 Prozent) die 3.000-Euro-Grenze. Ein Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Möglichkeiten und der Freude am Laufen ist somit unverkennbar.

Auch eine weitere Studie belegt das. Michael Lechner von der Universität St. Gallen und Nazmi Sari von der University of Saskatchewan haben Langzeitdaten von 1994 bis 2008 gesammelt, die sowohl die Einkommen als auch das sportliche Engagement von eingangs 22 bis 40 Jahre alten Kanadiern abbilden. Die Auswertung zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen Freizeitgestaltung und Verdienst. Das Fazit der Ökonomen: Sport erhöht langfristig das Einkommen. Nach rund acht bis zwölf Jahren können Freizeitsportler mit bis zu 20 Prozent höheren Einkommen rechnen als Bewegungsmuffel. Alles zusammenfassend kann man nur feststellen: Laufen macht erfolgreich.