Ob Babynamen für royalen Nachwuchs, Gewinner für den ESC oder der Termin für den Weltuntergang: Im Vereinigten Königreich wird auf so ziemlich alles gewettet. In kaum einem Land gibt es so viele Buchmacher wie hier. In Deutschland gibt es den Beruf zwar auch, allerdings dürfen Buchmacher hier nur Wetten auf Pferderennen annehmen: "Nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz (RWLG) von 1922 beschränkt sich der Beruf hierzulande auf den Pferderennsport", klärt Oliver Jäger auf. Er ist für die Pressearbeit im Deutschen Buchmacher Verband e.V. (DBV e.V.) verantwortlich. "Wer Fußballwetten annimmt, ist streng genommen nach deutschem Recht kein Buchmacher."

Egal ob Pferderennen oder Sportwette, die eigentliche Tätigkeit ist prinzipiell gleich: Die Wettmacher berechnen die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs eines Sportereignisses. Welche Mannschaft erzielt wie viele Tore oder Punkte? Welches Pferd landet auf welchem Platz? Je nach Wahrscheinlichkeit ist die Quote hoch oder eher niedrig. Und je besser die Quote, desto attraktiver ist es für die Kunden, hier zu wetten.

Früher war der Beruf echte Rechenarbeit. Einerseits mussten die Buchmacher die Quoten so festlegen, dass, egal auf welches Pferd die Leute setzten, sie selbst einen Gewinn machten. Zugleich mussten sie konkurrenzfähig bleiben und dafür brauchten sie eine attraktive Quote. Aber dafür brauchten sie immer die aktuellsten Informationen über Pferde, Jockeys und Besitzer. Welche Neuigkeiten gibt es aus einem Rennstall? In welcher Verfassung ist ein Pferd?

Heute ist die Arbeit vor allem eine Rechenleistung des Computers. Gleich wichtig sind jedoch die Kenntnisse aus der Szene geblieben. "Viele Dinge können ein Rennen beeinflussen, im Idealfall weiß ein Buchmacher darüber Bescheid und kann danach die Quoten festsetzen", sagt Jäger. Bei Pferderennen beeinflusst das Wetter häufig den Ausgang. Manche Pferde kommen mit Regen besser zurecht, andere können nur Höchstleistungen auf trockenem Untergrund bringen. "Diese Informationen muss man auch heute noch kennen und in die Berechnung der Quote mit einfließen lassen."

Die Gesetzeslage variiert nach Bundesland

Buchmacher ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Um in diesem Beruf arbeiten zu dürfen, braucht man ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und muss eine zweijährige Tätigkeit als behördlich angemeldeter Buchmachergehilfe nachweisen. Alternativ dazu ist es möglich, eine Prüfung abzulegen und so die Berechtigung zu erhalten. Zusätzlich ist für jedes betriebene Wettbüro eine Buchmacherkonzession nötig. Außerdem sind gute Sprachkenntnisse wichtig, mindestens verhandlungssicheres Englisch. Denn die Kunden und Kontakte aus dem Rennsport sind meist international.

"Eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung ist außerdem ein Muss", sagt Jäger. Ohne fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen könne man kaum ein Büro führen. Außerdem müssen Buchmacher die Gesetze und Rechtslage gut kennen. Und die unterscheiden sich nach Bundesland. "Ein Buchmachergehilfe, der in Nordrhein-Westfalen arbeitet, darf noch lange nicht in einer Filiale desselben Buchmachers in Niedersachsen arbeiten", sagt Jäger.


Neben dem täglichen finanziellen Risiko sind für Jäger daher die oft komplizierten und unübersichtlichen gesetzlichen Bestimmungen Schattenseiten seines Berufs. Hinzu kommt das zurückgegangene Interesse am Pferdesport. "In den neunziger Jahren gab es einen regelrechten Boom, da waren Pferdewetten sehr populär. Das ist heute nicht mehr so", sagt er. Darüber hinaus habe die Branche mit einem schlechten Image zu kämpfen. "Das hat etwas mit der rasanten Ausbreitung von Sportwettenannahmestellen zu tun. Darunter sind schwarze Schafe, die die gesamte Wettanbieterbranche in Verruf bringen", sagt Jäger.

Dennoch schätzt er seinen Beruf und würde nichts anderes machen wollen. Neben den vielen interessanten Menschen in der Szene mag er das Wetten selbst. Immerhin ist es für die Buchmacher selbst jedes Mal wieder spannend, zu sehen, ob sie mit ihrer Quote richtig lagen oder nicht.

  • Gehalt: keine Angaben
  • Arbeitszeit: variiert und ist abhängig vom Wettaufkommen
  • Ausbildung: keine staatlich geregelte Ausbildung möglich, für die Arbeit als Buchmacher muss eine zweijährige Tätigkeit als Buchmachergehilfe nachgewiesen oder alternativ dazu eine einschlägige Prüfung abgelegt werden