Yahoo-Chefin Marissa Mayer, IBM-Deutschland-Geschäftsführerin Martina Koederitz, Facebook-Managerin Sheryl Sandberg: Sie gehören zu den wenigen Frauen, die es an die Spitze von IT-Unternehmen geschafft haben. In der Branche sind die meisten Chefposten vornehmlich von Männern besetzt. Und auch abseits der Führungsetagen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frauen in IT-Berufen wenig präsent sind. Der Branchenverband Bitkom schätzt den Anteil von Frauen in IT-Berufen in Deutschland auf gerade mal 15 Prozent. Viel zu wenig, um künftige Quotenziele zu erreichen. Und in Zukunft dürfte es kaum besser werden: Derzeit beträgt der Frauenanteil in Informatikstudiengängen nur 23 Prozent.

Einer Studie von Robert Half Technology zufolge, für die 200 CIOs und CTOs in Deutschland befragt wurden, erklärten nur 36 Prozent der Befragten, dass der Anteil von Frauen in IT-Berufen in ihrem Unternehmen gestiegen sei. Doch warum scheint die IT-Branche kein attraktives Arbeitsumfeld für Frauen zu bieten?

Unbestreitbar war die Branche in ihren frühen Tagen, angeführt unter anderem von Bill Gates und Paul Allen, eine männlich geprägte Domäne. Zwar gibt es auch heute noch die sprichwörtlichen "Computernerds" und Programmierkeller – aus denen hoffentlich erfolgreiche Start-ups hervorgehen – jedoch hat sich die Branche stark diversifiziert und rund um die IT sind viele neue Berufe entstanden, für die Arbeitgeber nach den passenden Talenten suchen.

Größeres Informationsangebot sichert Fachkräftenachwuchs

Die deutschen IT-Verantwortlichen rechnen damit, dass Teams branchenübergreifend bis zum Jahr 2020 um bis zu 30 Prozent wachsen werden. Sowohl Konzerne, als auch Mittelständler suchen auf unterschiedlichen Erfahrungsniveaus zum Beispiel Entwickler, Experten für Cyber-Security und Big Data sowie Berater und Projektmanager.

In der zitierten Robert-Half-Studie sprachen sich die Befragten angesichts der geringen Zahl an IT-Fach- und Führungskräften dafür aus, technologieaffine Frauen frühzeitig an die IT-Arbeitswelt heranzuführen – in der Schule, in Ausbildungsbetrieben sowie in den Fachhochschulen und Universitäten. 29 Prozent der deutschen CIOs und CTOs halten eine Ausweitung der Informationsangebote und die Förderung entsprechender Workshops und Netzwerke zu Technologie- und Karrierethemen für einen wichtigen und wirksamen Hebel. Initiativen wie der Girl’s Day haben hier erste wichtige Impulse gesetzt. Aber das reicht noch nicht.

Laut Bitkom gibt es derzeit rund 41.000 unbesetzte IT-Stellen in Deutschland. Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, braucht die Branche dringend frische Fachkräfte. Aber Nachfrage und Angebot treffen sich ungenügend. Dabei sind die Karriere- und Verdienstaussichten sehr gut.

Überdurchschnittliche Gehälter in der IT-Branche

Eine aktuelle Gehaltsübersicht, für welche die Gehälter von 46 IT-Berufen erhoben wurden, zeigt: Bei einer sechs- bis neunjährigen Berufserfahrung können sich Netzwerk- und Security-Administratoren über eine Steigerung ihrer Gehälter auf bis zu 63.500 Euro im kommenden Jahr freuen – das ist ein durchschnittlicher Zuwachs von fünf Prozent. Software-Entwickler für Java kommen auf bis zu 73.000 Euro, was einem Plus von 4,4 Prozent entspricht. Die Zahlen beziehen sich auf Brutto-Jahresgehälter, Zusatzleistungen oder Boni sind noch nicht berücksichtigt.

Der Stellenwert der IT in den Unternehmen wächst branchenübergreifend und damit steigt auch in Zukunft der Personalbedarf. Um weibliche IT-Profis für sich zu gewinnen, müssen die Arbeitgeber aber lernen, sich stärker an deren Prioritäten zu orientieren – insbesondere mit Blick auf flexiblere Arbeitszeitmodelle und Unterstützungsleistungen bei der Kinderbetreuung.

Neben den gehaltsbezogenen Anreizsystemen gewinnen – jedoch nicht nur bei weiblichen Mitarbeitern – Aspekte wie Home-Office, Teilzeitmodelle und Maßnahmen für eine optimierte Work-Life-Balance an Bedeutung.

Noch sperren sich einer Allensbach-Studie zufolge rund 45 Prozent der Arbeitgeber gegen flexiblere Arbeitszeiten. Gerade in der IT-Industrie ließe sich dies aufgrund der spezifischen technischen Möglichkeiten und Eigenschaften der Branche sicherlich an vielen Stellen aufbrechen.

Fast ein Drittel (29 Prozent) der von Robert Half befragten IT-Verantwortlichen ist zudem der Meinung, dass Mentoring-Programme künftig erheblich an Bedeutung gewinnen und ein effektiver Schlüssel zur Förderung weiblicher IT-Talente sein werden.

Die Bewährungsprobe zur Steigerung des Frauenanteils in der IT liegt unseres Erachtens aber vor allem in der Fähigkeit der Branche, den Studentinnen, Hochschulabsolventinnen und Young Professionals entsprechende Vorbilder und Karrierepfade aufzuzeigen. Und das ist die zentrale Herausforderung für die Unternehmen.