Die berufliche Laufbahn von Steffen Zoller begann ganz klassisch mit einem BWL-Studium. Das war eine solide Basis und ließ sich gut mit seiner Leidenschaft verbinden: "Ich bin immer ein Kind des Internets gewesen", sagt der 34-Jährige. Und so führten ihn Auslandssemester beispielsweise ins Silicon Valley oder in die Slowakei, wo er bei der Telekom daran mitarbeiten durfte, das Breitbandinternet in die Dörfer zu bringen. Nach dem Studium übernahm er die digitale Beratung für Unternehmen wie Procter & Gamble oder Nestlé bei der Cocomore AG. Eine Bilderbuchkarriere.

Doch dann wurde Zoller plötzlich zum Umdenken gezwungen, weil ein Familienmitglied schwer erkrankte: "Die Krebsdiagnose meines Vaters hat mich sehr getroffen. Immer wieder waren Therapien erfolgreich, dann kamen Rezidive. Und ich war zum großen Teil im Ausland und nur schwer greifbar." Damit sah sich der damals 26-Jährige vor eine große Herausforderung gestellt: Wer könnte sich um den Pflegebedürftigen kümmern?

"Die Suche nach einem Pflegedienst war sehr schwierig. Es war alles so undurchsichtig und wenig vertrauenserweckend. Das wünscht sich keiner für seine Angehörigen."

Unüberschaubar wird der Bereich der ambulanten Pflege in Deutschland vor allem dadurch, dass er sehr zersplittert ist: Rund 60 Prozent der Pflegedienste werden privat betrieben, ein Großteil von selbstständigen Pflegern.

Das brachte den Betriebswirt, der in seinem Studium den Schwerpunkt Gründung und Aufbau von Unternehmen belegt hatte, auf eine Geschäftsidee. Er zog wieder nach Deutschland, um in der Nähe seines Vaters zu sein, und baute ein Portal für die Betreuung von Menschen auf. "Angefangen habe ich mit der Kinderbetreuung, denn auch dort gibt es ja einen großen Bedarf", erzählt er. Das wusste er aus den Erfahrungen in seinem Freundeskreis. Halbjährlich kam dann eine weitere Kategorie dazu. "Ich habe mich am Alltäglichen orientiert, mich gefragt, was brauche ich und was mein Umfeld." Babysitterplattformen gab es bereits seit 1999, das war nichts Neues. "Es war gar nicht mein Ziel, das Rad neu zu erfinden. Für mich war das Wichtigste, Transparenz und Vertrauen zu schaffen."

Transparenz und Vertrauen schaffen

Ein Thema, das eine große Masse trifft. Denn die Sandwich-Generation, zu der auch Zoller gehört, hat mehrere Betreuungsherausforderungen gleichzeitig zu erfüllen: Die von Eltern, Kindern und manchmal auch noch Haustieren.

Mit www.betreut.de wollte Zoller für alle familiären Lebensbereiche die Suche nach Helfern erleichtern. Wer sich auf dem Onlinemarktplatz anmeldet, kann sich zahlreiche Profile von Babysittern, Putzfrauen, Seniorenbetreuern und Tiersittern durchlesen. Zertifikate und Bewertungen anderer Nutzer sollen helfen, besonders qualifizierte Kandidaten zu finden. Möchte man mit ihnen in Kontakt treten, muss man ein kostenpflichtiges Abo für ein, drei oder zwölf Monate abschließen. Investoren fand der Jungunternehmer für seine Idee auch. "Für die Finanzierung konnten wir drei strategische Partner gewinnen: Holtzbrinck Ventures, Mutschler Ventures und Rocket Internet." Bei der Realisierung seiner Idee half ihm zudem der Kontakt und Austausch mit anderen Gründern im Netzwerk Entrepreneurs Organisation

Zollers Betreuungsplattform hatte tatsächlich großen Erfolg. So wurde der US-Anbieter Care.com, der dasselbe Konzept auf dem amerikanischen und kanadischen Markt anbietet, auf das Berliner Start-up aufmerksam und übernahm den Betrieb mit mehr als 100 Mitarbeitern im Jahr 2012. Die Internationalisierung ging weiter. "Heute haben wir gemeinsam über 16 Millionen Kunden in 16 Ländern", berichtet Zoller, der als Geschäftsführer für den europäischen Markt bei Care.com verantwortlich ist. Neben Privatkunden gehören mittlerweile auch große Unternehmen wie Robert Bosch oder Google zu den Kunden, die den Service für ihre Arbeitnehmer nutzen.

Nur eines bedauert der Gründer: "Schade, dass mein Vater das alles nicht mehr richtig miterleben konnte", sagt Zoller. Im Sommer 2007 startete er mit seiner Geschäftsidee, im darauffolgenden Sommer verstarb sein Vater.