Wenn Jürgen Theis gerufen wird, besteht immer dringender Handlungsbedarf. Manchmal ist ein Projekt kurz vor dem Kollaps, manchmal fällt jemand aus der Führungsetage einer Firma krankheitsbedingt aus. Theis springt dann ein. Er arbeitet als selbstständiger Interim-Manager im Auftrag der Interim-Management-Beratungsgesellschaft Atreus in München. Seine Aufgabe: In einer Ausnahmesituation das Steuer in die Hand nehmen und ein Unternehmen oder großes Projekt wieder auf Kurs bringen.

"Wenn schon mehrere Millionen in ein Projekt geflossen sind und das Budget überzogen wurde, aber noch kein Abschluss in Sicht ist, dann kommt der Interim-Manager ins Spiel", sagt Theis.

Routine findet er in seinem Beruf nur selten. Mal wird er mit der Durchführung eines komplexen IT-Projekts betraut, beim nächsten Auftrag geht es um die Führung eines kompletten Unternehmens. Nur eines haben seine Aufträge gemein: Es ist immer ein Engagement auf Zeit.

"Manchmal sind es nur wenige Wochen als Überbrückung, oft aber auch mehrere Monate bis hin sogar zu einigen Jahren. Ein Auftrag etwa war auf zwölf Monate ausgelegt, hat dann aber viereinhalb Jahre gedauert", sagt Theis. Denn nicht selten kommen bei projektbezogenen Aufträgen im Laufe der Anstellung weitere Aufgaben für den Interim-Manager hinzu.

Fast immer sind Theis' Engagements mit den Aufgaben eines Geschäftsführers oder eines internen Projektleiters vergleichbar und unterscheiden sich deutlich von einer reinen Beratertätigkeit. Als Interim-Manager, so Theis, sei er als vollständiges Mitglied des Unternehmens in einer Führungsposition aktiv und eng in die Aufgaben eingebunden. "Wir stehen nicht beratend mit theoretischen Konzepten und Anleitungen zur Seite, sondern sind praktisch veranlagte Macher, die alles gleich in die Tat umsetzen", sagt der Interim-Manager.

Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, einen Interim-Manager zur Bewältigung einer kritischen Situation zu engagieren, so gilt es zunächst, zu prüfen, ob das Anforderungsprofil passt. Ist der Interim-Manager aktuell verfügbar? Bringt er exakt die Erfahrung mit, die gebraucht wird? "Wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird, so hat der Mitarbeiter in der Regel ein paar Wochen Zeit, sich einzuarbeiten. Diese Zeit hat ein Interim-Manager nicht", sagt Theis.

Stimmen die Voraussetzungen und passt das Anforderungsprofil, geht es schon am ersten Tag voll zur Sache. Der Manager auf Zeit muss Informationen sammeln und führt Gespräche mit allen Mitarbeitern. Wie ist der Stand der Dinge? Was ist zu tun? Wie sieht das Team aus? Welche Kompetenzen hat es? Welche Probleme gab es in der Vergangenheit? Wie funktionieren die Arbeitsabläufe? Was ist wichtig? Welche Entscheidungen müssen zuerst getroffen werden? Was hat Zeit? Ziel ist es, die eigentliche Aufgabe möglichst schnell angehen zu können.

"Man kommt ohne Vergangenheit in ein Unternehmen, hat aber auch keine Zukunft. Das ist bei der Umsetzung eines Projektes oder der Leitung eines Unternehmens auf Zeit oft von Vorteil, weil man selbst völlig unvoreingenommen ist", sagt Theis.