Ich war sehr lange krank und fange jetzt am ersten Dezember wieder an zu arbeiten. Um langsam wieder einsteigen zu können, starte ich mit dem betrieblichen Eingliederungsmanagement. Worauf muss ich achten?, fragt Angelika Winter.

Sehr geehrte Frau Winter,

ist ein Mitarbeiter innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen am Stück arbeitsunfähig oder immer wieder krankgeschrieben, sind Arbeitgeber verpflichtet, ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) durchzuführen. Der Paragraph 84 Abs. 2 SGB IX verpflichtet Arbeitgeber dazu.

Sinn des BEM ist unter anderem, dass Betroffene in kleinen Schritten wieder ins Arbeitsleben einsteigen können. Dazu sollten Arbeitgeber klären, wie die Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters überwunden bzw., wie einer erneuten Erkrankung vorgebeugt werden kann. Denn das Ergebnis soll sein, dass der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz behält. Nach Schätzungen enden in Deutschland nämlich jährlich 400.000 Arbeitsverhältnisse aus rein gesundheitlichen Gründen.

In der Regel führen Arbeitgeber vor dem Start eines BEM mit dem betroffenen Mitarbeiter ein Gespräch, in dem sie ihn über die Ziele der Maßnahme informieren sowie auf Art und Umfang der hierfür erhobenen und verwendeten Daten hinweisen. Lehnt ein Mitarbeiter diese Maßnahme ab, halten Arbeitgeber das aus Beweisgründen meist schriftlich fest. Häufig ist in einer entsprechenden Betriebsvereinbarung geregelt, dass ein Mitarbeiter, der ablehnt, keine Nachteile erfahren darf.

Um die richtigen Maßnahmen beschließen und durchführen zu können, geht es in dem Gespräch vor allem auch darum, ob und welche Tätigkeiten dem Mitarbeiter Probleme bereiten. Deshalb sollten sich auch Betroffene vor dem Gespräch überlegen, welche Vorstellung sie selbst von ihrem weiteren Berufsweg haben. Weiß ein Mitarbeiter, wie sein Arbeitsplatz sinnvoll umgestaltet werden kann, sollte er das unbedingt in dem Gespräch auch vorschlagen. Nach ein bis zwei Monaten erfolgt im Regelfall ein erneutes Gespräch, um festzustellen, ob der Mitarbeiter wieder voll einsatzfähig ist. § 84 Abs. 2 SGB IX ist also ein Klärungsprozess und nicht als formalisiertes Verfahren zu verstehen, sondern als rechtlich regulierter, verlaufs- und ergebnisoffener Suchprozess, der ganz individuell angepasste Lösungen zur Vermeidung zukünftiger Arbeitsunfähigkeit ermitteln soll.

Verfügt das Unternehmen über einen Betriebsrat, ist dieser – das Einverständnis des Arbeitnehmers vorausgesetzt – hinzuzuziehen. Sinnvoll ist zudem, den direkten Vorgesetzten des betroffenen Mitarbeiters und auch den Betriebsarzt einzubinden. Denn beide wissen in der Regel am besten, ob vom Arbeitsplatz Gefahren für die Gesundheit des Arbeitnehmers ausgehen und künftig durch geeignete Maßnahmen vermieden werden können.

Ihr Ulf Weigelt