Ich vermute bei einem meiner Mitarbeiter ein Drogenproblem. Wie soll ich mich verhalten?,  fragt John Fischer.

Sehr geehrter Herr Fischer,

Mitarbeiter, die regelmäßig Drogen konsumieren, sind meist nicht nur eingeschränkt arbeitsfähig und unterliegen starken Leistungsschwankungen, sie gefährden unter Umständen auch ihre Kollegen und Dritte. Deshalb ist es ratsam, dass Arbeitgeber hier frühzeitig darauf reagieren.

Sinnvoll ist, zunächst das Gespräch mit dem betroffenen Mitarbeiter zu suchen und ihn konkret auf Probleme und seinen Leistungsabfall, seine Verhaltensänderungen oder ähnliches anzusprechen. Bieten Sie ihm an, ihn bei der Suche nach einer geeigneten Suchtberatungsstelle oder anderen Hilfsangeboten zu unterstützen. Unter Umständen wiederholen Sie das Angebot.

Machen Sie ihm aber auch unmissverständlich klar, dass sein Verhalten den Betrieb und die Kollegen gefährden kann. Und dass Sie als Arbeitgeber das zukünftig nicht dulden werden und deshalb Konsequenzen wie eine Abmahnung oder auch Kündigung in Erwägung ziehen. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Mitarbeiter zu verstehen geben, dass Sie ihm in erster Linie helfen wollen und er sein Verhalten für die Zukunft ändern muss.

Suchen Sie auch das Gespräch mit seinen Kollegen, denn drogenabhängigen Mitarbeitern ist nicht geholfen, wenn Kollegen ihn "decken", indem sie seine Aufgaben übernehmen. Oder ihn zum Sündenbock abstempeln, weil er seine Arbeit nicht mehr schafft.

Hilft das alles nicht und trifft der Mitarbeiter keine Entscheidung gegen die Droge, bleibt Ihnen als Arbeitgeber am Ende nur die arbeitsrechtliche Maßnahme der Abmahnung oder Kündigung. Dabei muss die Kündigung verhältnismäßig sein. Ein geringfügiger beziehungsweise einmaliger Verstoß, der keine Auswirkungen auf die geschuldete Arbeitsleistung hat, kann keine Kündigung rechtfertigen, allenfalls eine Abmahnung.

Eine Kündigung sollte daher immer das letzte Mittel sein, denn den betroffenen Mitarbeitern sollte in erster Linie geholfen werden. Eine Bestrafung, indem sie ihren Arbeitsplatz verlieren, zieht sie am Ende nur weiter in die Sucht.

Ihr Ulf Weigelt