Ich teile mir mit einer Kollegin einen Arbeitsplatz. Als meine Jobsharing-Partnerin gekündigt hat, erhielt ich von meinem Arbeitgeber eine Änderungskündigung, um die Stelle als Vollzeitkraft zu übernehmen. Muss ich dem zustimmen?, fragt Brigitte Schneider.

Sehr geehrte Frau Schneider,

ich gehe davon aus, dass Sie und Ihre Kollegin mit Ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über die Aufteilung eines Vollzeitarbeitsplatzes getroffen haben (auch als Jobsharing bekannt). Dabei wechseln sich die Jobsharing-Partner entweder stunden- oder tageweise ab.

Verlässt nun einer der Partner die Abteilung oder den Betrieb, können Arbeitgeber dem verbleibenden Mitarbeiter nicht einfach kündigen, um die Vereinbarung aufzuheben. Anders sieht es allerdings aus, wenn ein Arbeitgeber (wie in Ihrem Fall) eine Änderungskündigung ausspricht, um die Arbeitszeit im Unternehmensinteresse nun zukünftig zu verändern. Denn diese Möglichkeit bietet ihm der Gesetzgeber. Der Arbeitgeber ist frei in seiner unternehmerischen Entscheidung. Und hier möchte er zukünftig dauerhaft eine Vollzeitstelle schaffen.

Sie haben jetzt folgende Möglichkeiten: Sie nehmen die Änderungskündigung an und arbeiten dann nach Ablauf der maßgeblichen Kündigungsfrist in Vollzeit. Oder Sie lehnen die Änderungskündigung ab, die dann zu einer normalen Beendigungskündigung wird, und – sofern Sie Zweifel haben – erheben Kündigungsschutzklage. Oder Sie suchen im Unternehmen eine/n geeignete/n Kollegen/in, mit dem/r Sie sich den Arbeitsplatz erneut teilen können, vorausgesetzt der Arbeitgeber spielt hier mit.

Wer bei einer Änderungskündigung unsicher ist und nicht weiß, wie er reagieren soll, sollte die Änderungskündigung innerhalb von drei Wochen unter Vorbehalt annehmen und eine Änderungsschutzklage einreichen. So bleibt nämlich der Arbeitsplatz – wenn auch zu den neuen Bedingungen – erhalten. Ein Gericht klärt dann, ob die Änderung der Bedingungen zulässig ist oder nicht.

Ihr Ulf Weigelt