Kaum etwas wünschen sich berufstätige Eltern sehnlicher als etwas mehr Zeit für sich und ihren Nachwuchs. Was früher oft nur möglich war, wenn man seinen Job ganz aufgab, hat sich längst durch den gesetzlichen Elternzeitanspruch verändert. Und seit Juli dieses Jahres ist der Anspruch auf bis zu drei Jahre Auszeit vom Job, verbunden mit einem Rückkehrrecht, noch flexibler gestaltbar.

Grundsätzlich müssen Eltern auch weiterhin spätestens sieben Wochen vor dem gewünschten Starttermin der Elternzeit dem Arbeitgeber ihren Wunsch nach der Auszeit oder nach der Teilzeitbeschäftigung mitteilen. Dazu genügt ein schriftlicher, formloser Antrag. Auch weiterhin kann ein Elternteil für jedes Kind maximal drei Jahre in Anspruch nehmen. Den Zeitraum bestimmen die Eltern frei, es ist generell möglich, dass Mutter und Vater die Elternzeit zeitgleich nehmen. Die Elternzeitmonate können aber nicht auf den Partner angerechnet oder übertragen werden.

Generell kann man die Elternzeit in mindestens zwei Zeitabschnitten nehmen, man ist also nicht verpflichtet, sie am Stück zu beanspruchen. Seit der Gesetzesänderung dürfen Eltern für ihr ab dem 01. Juli 2015 geborenes Kind die Elternzeit in drei Teilabschnitten bis zum vollendeten achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen – eine Zustimmung des Arbeitgebers ist hierzu nicht mehr nötig. Wer die Elternzeit allerdings in noch mehr Abschnitte unterteilen und dazwischen wieder arbeiten möchte, braucht die Genehmigung des Chefs.

Mit der Abgabe des Antrags muss man aber zumindest für einen Zeitraum der ersten beiden Lebensjahre des Nachwuchses verbindlich festlegen, wann man die man Elternzeit nehmen möchte. Nachträglich lässt sich der Termin nur noch ändern, wenn der Chef auch einverstanden ist.

Wer seine Elternzeit verkürzen möchte, muss das mit seinem Arbeitgeber besprechen. Es geht nur, wenn ein Arbeitnehmer sehr schwerwiegende Gründe hat – etwa weil der Ehepartner schwer erkrankt oder gestorben ist und die Familie in finanzielle Not kommen würde. Allerdings kann der Arbeitgeber die vorzeitige Beendigung der Elternzeit aus wichtigen betrieblichen Gründen ablehnen, er muss dies jedoch schriftlich und innerhalb von vier Wochen tun.

Elterngeld kann länger in Anspruch genommen werden

Zu trennen von der Elternzeit ist der Anspruch auf Elterngeld: Die Lohnersatzleistung gibt es im klassischen Modell nur für maximal 14 Monate, die auf beide Partner aufzuteilen sind. Ein Elternteil darf Elterngeld höchstens für zwölf Monate in Anspruch nehmen, minimal für nur zwei Monate. Dazwischen sind alle anderen Aufteilungen denkbar.

Beim neuen Elterngeld Plus können sich die Paare den Anspruch innerhalb von 24 Monate aufsplitten: Sie bekommen dann aber im Monat auch nur das halbe Elterngeld, in der Summe also nicht mehr als im klassischen Modell. Mit diesem Modell will die Politik Eltern dazu motivieren, sich die Erziehungsarbeit gleichberechtigter zu teilen. Die Idee: Mütter werden dadurch dazu veranlasst, früher in Teilzeit in den Job zurückzukehren – und Männer dazu, sich länger eine Auszeit zu nehmen beziehungsweise ebenfalls eine längere Weile in Teilzeit zu arbeiten. Das Elterngeld Plus stockt dann die Teilzeitgehälter auf.

Einen Bonus von zwei zusätzlichen Elterngeldmonaten bekommen Eltern – und zwar pro Elternteil –, wenn sie sich die Elternzeit ganz gleichberechtigt aufteilen. In diesem Modell haben Elterngeld-Plus-Paare mit dem Maximalanspruch von 28 Monaten dann auch finanziell mehr Elterngeld als Paare, die sich für die klassische Variante entscheiden.

Aber Vorsicht: Es gibt immer noch keinen Anspruch darauf, den alten Arbeitsplatz nach der Elternzeit zurückzubekommen. Der Rechtsanspruch gilt nur für eine gleichwertige, vergleichbare Tätigkeit, die natürlich auch gleich bezahlt ist. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Stellt der Arbeitgeber nach der Familienauszeit nur einen Arbeitsplatz zur Verfügung, bei dem eine qualifizierte Fachkraft lediglich Aushilfstätigkeiten ausüben darf, und will der Arbeitgeber im Zuge dessen auch das Gehalt kürzen, ist dies eine unrechtmäßige Benachteiligung.