Ich habe zum 1. September eine neue Stelle angetreten. Als ich jetzt zum 15. Dezember zwei Wochen Urlaub einreichen wollte, hat mein Arbeitgeber mir diesen verwehrt, weil ich noch keinen Anspruch hätte. Ist das richtig?, fragt Jan Sommer.

Sehr geehrter Herr Sommer,

Ihr Arbeitgeber hat recht, denn für Ihren vollen Urlaubsanspruch müssen Sie mindestens sechs Monate im Betrieb beschäftigt sein. Der volle Urlaubsanspruch entsteht erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten nach der Arbeitsaufnahme (§ 4 Bundesurlaubsgesetz, BUrlG). Vor Ablauf der Wartezeit hat der Arbeitnehmer gemäß § 5 BUrlG nur Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses. Nach drei Monaten der Beschäftigung entsteht somit ein Anspruch auf fünf Urlaubstage (20 : 12 = 1,66 x 4 = 4,98 (gerundet 5)).

Einen anteiligen Anspruch auf Urlaub haben Sie in Ihren ersten sechs Monaten der Probezeit im Betrieb natürlich auch, allerdings nur, wenn betriebliche Gründe dem nicht entgegenstehen. Sollte Ihre Probezeit vorzeitig beendet werden, wird man sich darüber zu unterhalten haben, ob der anteilige Urlaub innerhalb der Kündigungsfrist gewährt wird oder ob wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Urlaubsabgeltung zu zahlen ist.

In der Regel sind Arbeitgeber aber damit einverstanden, wenn Mitarbeiter den bereits "erarbeiteten" Urlaubsanspruch beantragen und auch nehmen. Sie können daher keine zwei Wochen geltend machen, sondern höchstens fünf Tage.

Vergewissern Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber am besten gleich zu Beginn des Beschäftigungsverhältnisses, ob er Ihnen grundsätzlich keinen Urlaub in den ersten sechs Monaten gewähren möchte oder ob Sie nicht doch den bereits entstandenen Teilurlaub aufgrund bereits geplanter Reisen nehmen können. Ein offenes Wort kann Missverständnisse auf beiden Seiten vermeiden und stellt eine rechtzeitige Planung für eine Vertretung sicher.

Ihr Ulf Weigelt