Etwa 800 mittelständische und große Unternehmen in Deutschland feiern jedes Jahr einen runden Geburtstag. Viele fragen sich dann: "Was machen wir daraus?" So ging es auch der Firma Tries. Im Mai 1965 hatte der Maschinenbauingenieur Manfred Tries ein Konstruktionsbüro in Ehingen angemeldet. Aus der Ein-Mann-Firma wurde ein 150 Mitarbeiter-Unternehmen. Es entwickelt und stellt Hydraulikteile her, beispielsweise für Krane von Liebherr oder Gabelstapler von Linde. Zum 50. Geburtstag im vergangenen Jahr gab es selbstverständlich einen Festakt – und ein Buch über die Geschichte der Firma. "Das haben wir dem Inhaber vorgeschlagen", sagt Roman Krüger. Er ist Historiker, arbeitet in der Firma D.I.E. Firmenhistoriker in Aalen und fand im Keller der Firma Material für die Festschrift.

Krüger hat Geschichte studiert. "Aus reinem Interesse, Berufsziel hatte ich keines", sagt er. Das Bachelor-Studium war allgemeine Geschichte, im Master hatte er die Schwerpunkte Neuere Geschichte und Wirtschaftsgeschichte. Gegen Ende des Bachelor-Studiums fand er im Seminar History Marketing heraus, was er beruflich machen wollte: Unternehmen dabei helfen, ihre eigene Geschichte für ihr wirtschaftlichen Ziele zu nutzen.

Das Fach History Marketing bietet Historikern neue Berufschancen. Im Master vertiefte Krüger sein Wissen darüber, schloss sein Studium Ende 2012 ab und fing Mitte Mai 2013 mit einem Volontariat bei Firmenhistoriker an.

Die Ausbildung dauert ein Jahr. "In dieser Zeit lernen die Volontäre zu archivieren, recherchieren und wie sie unsere Datenbank bedienen", erklärt Rainer Lächele, 54. Er ist der Gründer des Unternehmens und einer der beiden Geschäftsführer.

Nach 20 Jahren in Lehre und Forschung hat er sich 2001 als freiberuflicher Historiker selbständig gemacht und Firmenhistoriker gegründet. Aus seinem Ein-Mann-Unternehmen wurde bald eine 16-Mitarbeiter-Firma. Sie ist eine der fünf großen Geschichtsagenturen in Deutschland. 

Mit der Unternehmensgeschichte Marketing machen

Die meisten seiner Mitarbeiter haben auch Geschichte studiert. "Das ist unerlässlich, um alle historischen Epochen zu verstehen", sagt der Chef. Firmenhistoriker stellen Zusammenhänge aus dem Großen ins Kleine her. Sie arbeiten mit Quellen, bewerten diese mit Gegenmeinungen und können alte Handschriften lesen. Im Volontariat bei den Firmenhistorikern verdienen sie 1.450 Euro monatlich, danach bekommen sie 800 Euro mehr.

Das Team recherchiert Unternehmensgeschichten, erstellt Bücher, Broschüren, Web-Inhalte, organisiert Ausstellungen und Museen, archiviert und berät zum Thema History Marketing.

Zum Beispiel bei Stadtwerken: "Die haben notorisch einen schlechten Ruf,  haben aber eine riesige historische Leistung vollbracht: nämlich 100, manchmal 200 Jahre zuverlässig die Menschen mit Energie zu versorgen", sagt Lächele. In Ravensburg organisierte sein Unternehmen eine Ausstellung über die Geschichte der Gasversorgung in der Stadt. Die Steigerung einer Ausstellung ist ein Museum – denn hier ist die Arbeit dauerhaft ausgestellt. Für den Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen Ziegler in Giengen an der Brenz bauten die Firmenhistoriker ein Feuerwehr-Museum auf.