Keiner von uns hatte geahnt, wie schwer der Einstieg in den Arbeitsmarkt sein würde. Wir hatten die Märchen geglaubt, die uns unsere Eltern und die Universitäten eingetrichtert hatten: Mit einem guten Masterabschluss habe man einen Job sicher und Arbeitgeber würden händeringend nach motivierten jungen Absolventen suchen, die angeblich vor kreativen Ideen sprudeln und in flachen Hierarchien am besten funktionieren.

Wir – das sind meine Kommilitonen und ich: Abschlussjahrgang 2015 eines europäischen Masterprogramms im Bereich der Internationalen Beziehungen. Wir haben in mehreren Ländern studiert, sprechen verschiedene Sprachen, haben gute Noten. Hat das geholfen? Nein, denn entgegen der eigenen Wahrnehmung ist man innerhalb der Generation Y ersetzbar.

Scheitern und Anpassen

Es verging ein halbes Jahr bei der Jobsuche, was an sich belastend, aber wenig überraschend war. Sozialwissenschaftler haben ja den Ruf, hauptsächlich als Taxifahrer qualifiziert zu sein, von daher waren wir darauf eingestellt. Der Einstieg sei das Schwierigste, versicherten uns Dozenten und Berufsberater. Dass diese Schwierigkeit mit der Bologna-Reform und den Reaktionen von Arbeitgebern und Studierenden zusammenhängt, erklärt aber niemand an der Uni.

Mit der Bologna-Reform sollte die Vergleichbarkeit der Notensysteme und Studienabschlüsse erreicht werden. Ein minutiös durchgeplantes Punktesystem, das auf theoretischem Arbeitsaufwand basieren sollte, Anwesenheitspflicht und regelmäßige Prüfungsleistungen wurden nahezu flächendeckend in der EU eingeführt.

Diese angestrebte Vergleichbarkeit birgt allerdings zwei Trugschlüsse: Zum einen kann von keiner qualitativen Vergleichbarkeit gesprochen werden. Ich habe in Deutschland, Spanien, Polen und Dänemark studiert – die Lehrmethoden, Hierarchiestrukturen, Inhalte, Prüfungsarten und der Praxisbezug sind bis heute in allen Ländern fundamental von ihrer eigenen akademischen Geschichte geprägt und daher vollkommen unterschiedlich. Während man in Polen häufiger auswendig lernen muss, erarbeitet man sich in Dänemark die Seminarthemen in freier Gruppenarbeit. In Deutschland lernte ich die fundamentalen akademischen Strömungen und Theoretiker kennen, in Spanien hingegen, wie ich Photoshop nutze oder Bildsprache in Werbung und Politik analysiere.

Zum anderen ist es gerade diese vermeintliche Vergleichbarkeit, die Studierende und angehende Arbeitnehmer zur ersetzbaren Ware machen. Vor der Annahme, dass Qualität, Methodik und Lerninhalte im europäischen Raum auf ähnlichem Niveau sind, werden Studierende und Arbeitnehmer zwar mobiler, allerdings auch charakterloser auf dem Arbeitsmarkt. Erasmus-Aufenthalte oder Masterstudiengänge im Ausland sind in vielen Fachbereichen nichts Besonderes mehr, die damit einhergehenden sprachlichen Kompetenzen sind eine Selbstverständlichkeit. Für Arbeitgeber bedeutet dies zwar, dass sie aus einem breiteren Fundus an Bewerbern wählen können, für junge Absolventen heißt dies allerdings nur eins: massiver Konkurrenzdruck, ein Marathon von Kurzzeitverträgen, niedrige Bezahlung und Orientierungslosigkeit.