Der 29. Februar ist ein besonderer Tag, immerhin gibt es ihn nur alle vier Jahre einmal, wenn ein Schaltjahr ist. In Zukunft könnte der 29. Februar aber noch eine weitere Bedeutung bekommen und zumindest hierzulande zum Gedenktag für die ungleiche Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen werden. Die Idee: Am 29. Februar 2016 soll mit dem ersten Equal Care Day daran erinnert werden, dass Männer über vier Jahre brauchen, um die Care-Arbeit zu leisten, die Frauen in einem Jahr (also bereits 2012) geleistet hatten. Das erklärt auch, warum der 29. Februar für so einen Tag prädestiniert ist.

Die Zahlen stammen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), die unter Erwachsenen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren erhoben hat, wie viel Minuten sie am Tag mit Care-Arbeit – also Haushalt, Kochen, Einkaufen, Gartenarbeit, Reparaturen, Kindererziehung und Pflege verbringen. Interessant an den Zahlen ist, dass weltweit eklatante Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen.

In Indien, Japan und Südkorea sind die Unterschiede noch krasser: Während die Männer dort nicht einmal eine halbe Stunde am Tag für Kindererziehung oder Haushalt die Finger rühren, verbringen Frauen gut 20 Stunden in der Woche allein mit Putzen und Kochen. In Frankreich sind es 12,6 Stunden und in Deutschland immer noch 6,6 Stunden, während die Männer nicht einmal die Hälfte dieser Zeit für Hausarbeit investieren. Am wenigsten Zeit verbringen die schwedischen Frauen mit Putzen: nur 4,2 Stunden. Ihre Partner verrichten nur 15 bis 20 Minuten weniger am Tag als sie.

Natürlich ist es nicht ganz richtig, daraus zu schließen, dass Frauen die ganze Doppelbelastung haben. Weil sie ja überwiegend Teilzeit arbeiten, verwenden sie entsprechend mehr Zeit auf die unbezahlte Hausarbeit, während die Männer mehr Stunden an bezahlter Arbeit verrichten. Betrachtet man die schlichte Zahl von Arbeitsstunden, zeigt sich zwar immer noch, dass die Frauen im Schnitt etwas fleißiger sind. Das große Problem daran ist aber vor allem, dass sich bei den Frauen der Anteil der unbezahlten Arbeit zulasten der bezahlten Arbeit verschiebt.

Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass Erwachsene 2012/2013 durchschnittlich rund 24,5 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit verbrachten. Die Frauen arbeiteten im Schnitt 45,5 Stunden – und damit eine Stunde mehr als die Männer. Dabei leisteten die Frauen zwei Drittel ihrer Arbeit unbezahlt, Männer weniger als die Hälfte. Der Zeitaufwand unterscheidet sich aber deutlich, wenn man Kinder hat. Denn Eltern arbeiten im Schnitt 58 Stunden pro Woche – 9,5 Stunden mehr als Kinderlose. Mütter verbrachten pro Woche durchschnittlich sieben Stunden weniger mit Erwerbsarbeit und 15 Stunden mehr mit unbezahlter Arbeit als Frauen, die allein oder in einer Partnerschaft ohne Kind lebten. Das ist ein riesiges Problem: Denn die Teilzeitquote der Frauen ist hierzulande ohnehin schon sehr hoch. 45 Prozent aller erwerbsfähigen Frauen arbeiten Teilzeit – bei den Müttern ist die Quote noch höher.

Was außerdem zu denken gibt: Viele Studien zeigen, dass selbst Vollzeit arbeitende Frauen in einer kinderlosen Partnerschaft mit einem ebenfalls Vollzeit arbeitenden Mann den Großteil der Hausarbeit verrichten. So investieren sie mehr Zeit in den Haushalt, wenn sie mit einem Partner zusammenleben, als wenn sie alleine wohnen, während es bei den Männern genau andersherum ist.

Betrachtet man nur Deutschland, gibt es noch zwei weitere Probleme: Frauen bekommen im Schnitt gut acht Prozent weniger Lohn als Männer. Das ist die sogenannte bereinigte Lohnlücke, die nur Männer und Frauen mit gleicher Ausbildung in gleicher Tätigkeit und Hierarchiestufe miteinander vergleicht und auch berücksichtigt, ob die Verglichenen gleich viele (bezahlte) Überstunden machen.

Auch das soll am Equal Care Day berücksichtigt werden. Denn wenn man die Verteilung der Hausarbeit, Pflegearbeit und Kindererziehung zwischen den Geschlechtern berücksichtigt, hat sich auch die Frage erledigt, inwiefern Frauen selbst schuld sind, wenn sie weniger verdienen als Männer. Mehr noch: Viele typische Frauenberufe sind Careberufe. Ob Krankenschwester, Altenpflegerin, Erzieherin oder Friseurin – die meisten Sorgearbeiten sind zeit- und arbeitsintensiv, lassen sich schlecht automatisieren und versprechen keine Profite. Das erklärt auch, warum die Beschäftigten in diesen Berufen nicht gut bezahlt werden. Mehr Informationen zum Equal Care Day gibt es auf der Website www.equalcareday.de. Die Initiative wird von verschiedenen Gleichstellungsstellen, Aktivistinnen sowie Bloggerinnen unterstützt. Das Hashtag für den Equal Pay Day lautet #ECD2016 und #EqualCareDay.